Zwei Polizisten mit Schlagstöcken
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Video zeigt Polizei-Gewalt in Frankfurt

Tritte in Sachsenhausen

Einsatz in Frankfurt: Offenbar hat die Polizei ein Gewaltproblem

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Polizisten treten auf einen wehrlosen Mann ein. Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill muss alles daransetzen, dass die Bürger von solchen Beamten verschont bleiben. Ein Kommentar.

Geht’s eigentlich noch? Wer sich das Video aus Frankfurt Sachsenhausen anschaut, fragt sich einfach nur, was diese Polizisten für Menschen sind. Wie konnten sie zur Polizei kommen? Und sollen sie am Ende tatsächlich dort bleiben, weil die Voraussetzungen für eine Entlassung leider viel zu hoch sind? Zu sehen sind zwei Beamte, die sich nicht wie Staatsdiener benehmen, sondern wie Hooligans. Solche Typen haben nichts, aber auch gar nichts bei der Polizei verloren. Es wird die Aufgabe von Polizeipräsident Gerhard Bereswill sein, alles daranzusetzen, dass die Bürgerinnen und Bürger von solchen Polizisten verschont bleiben.

Polizeigewalt in Frankfurt: Straftaten in Uniformen sind nicht zu rechtfertigen

Immerhin erspart uns die Pressestelle der Polizei diesmal die ansonsten reflexhafte Antwort, das Video zeige ja nur einen Ausschnitt des Geschehens, man müsse erst die Gesamtsituation bewerten. Unsinn. Polizisten haben niemanden zu treten, der gefesselt am Boden liegt. Niemals. Unter keinen Umständen. Eine Rechtfertigung für derlei Straftaten in Uniform ist schlicht nicht vorstellbar.

Nach Fall von Polizeigewalt: Wir warten auf den Begriff Einzelfall

Vermutlich werden irgendwann auch Bereswill und der hessische Innenminister Peter Beuth zu den Bildern Stellung nehmen. Man darf Wetten darauf abschließen, wer von beiden zuerst den Begriff „Einzelfall“ nennen wird. Diese Verteidigungshaltung ist grundlegend falsch. Ja, die meisten Polizisten machen einen guten Job. Aber es gibt viel zu viele „Einzelfälle“.

Offenbar hat die Polizei ein Gewaltproblem, offenbar muss es massive Veränderungen geben. In der Ausbildung. In der Weiterbildung. Im Umgang miteinander, der von einem unsäglichen Corpsgeist geprägt ist. Und schließlich muss endlich Schluss damit sein, dass in solchen Fällen Polizisten gegen Polizisten ermitteln. Eine unabhängige Stelle für die Aufklärung von Polizeigewalt ist nötig.

Schlechte Stimmung gegenüber der Polizei in Frankfurt

Nach der Randale am Opernplatz hat sich Gerhard Bereswill darüber beklagt, dass die Stimmung gegenüber der Polizei so schlecht sei. Recht hat er, und um es klar zu sagen: Auch derartige Fälle rechtfertigen keine Gewalt gegen Polizisten. Dass der Ruf der Beamten derzeit so schlecht ist, haben aber nicht die Menschen zu verantworten, die die Polizei kritisieren. Schuld sind Hooligans, wie sie im Video aus Sachsenhausen zu sehen sind. (Georg Leppert)

Nur selten kommen Polizisten wegen Polizeigewalt für ihre Taten vor Gericht. Das zeigen Statistiken der Polizei und Staatsanwaltschaften. Wie es bei diesem Fall von Polizeigewalt in Frankfurt aussieht, ist noch unklar. Zu dem Vorfall, zu dem auch schon ein zweites Video gibt, hat auch Innenminister Peter Beuth Stellung bezogen. Er bezeichnete das Vorgehen der Polizei als „völlig inakzeptabel“. Inzwischen sorgen auch die Ermittlungen zu dem umstrittenen Polizeieinsatz* für Unmut. Anwohner*innen sprechen davon, von Beamten bedroht worden zu sein.

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