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Politische Nervensäge

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Heidemarie Wieczorek-Zeul schaut auf ihr Leben zurück.

Man darf nie nachlassen, sich für Gerechtigkeit und Frieden zu engagieren. So lautet ein Lebensmotto der SPD-Politikerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Ein anderes: Man kann die Dinge verändern.

Ihr Buch „Gerechtigkeit und Frieden sind Geschwister“ könnte daher als Ermunterung zum politischen Engagement gelesen werden. Doch es ist vor allem eines: ein Rückblick auf das Leben der „roten Heidi“, die Autobiografie der gebürtigen Frankfurterin, die in Wiesbaden lebt.

Wer sich also für eine Jugend im Hessen der Nachkriegszeit und die Auseinandersetzungen über die nationalsozialistische Vergangenheit interessiert, für die innerparteilichen Kämpfe in der SPD seit den 60er Jahren oder für die Entwicklungspolitik, welche die 75-Jährige als Ministerin elf Jahre lang gestaltete, der findet in dem Werk Einblicke.

Es ist beeindruckend, was Wieczorek-Zeul auf den Weg gebracht hat. Sie hat sich dem weltweiten Kampf gegen Armut, Aids und Korruption verschrieben. Sie hat sich für Frauenrechte und andere Menschenrechte starkgemacht. Sie hat die Gräueltaten der deutschen Kolonialherren am Volk der Herero als Völkermord benannt und sich für die Rechte der Palästinenser eingesetzt. Es habe sie „nie gestört, wenn mich manche als Nervensäge für den guten Zweck bezeichnet haben“, schreibt Wieczorek-Zeul.

Dabei zeigt das Buch nicht zuletzt, wie kleinteilig Politik auch in großen Fragen agiert. Wieczorek-Zeul schildert minutiös, wie sie um die Finanzierung der Entwicklungspolitik kämpfte. Und wie sie, als sie den Kampf verlor, die Kürzungen von Finanzminister Hans Eichel vornehmen ließ, weil sie für die Einschnitte „nicht die Hand reichen“ wollte.

Manche Einzelheiten lesen sich nur für Historiker spannend und auch sprachlich bleibt das Buch blass. Selbst da, wo die Autorin höchst Persönliches berührt, fallen ihre Sätze seltsam distanziert aus. Über die Ehe der jungen Frau mit dem späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Wieczorek erfährt man, dass sie sich „immer auf ihn verlassen“ konnte und sie „gemeinsam aktiv in der SPD“ wurden. Weniger Emotion geht kaum.

Am Schluss schaut die Ex-Ministerin nach vorn. „Auch in der neuen Rolle der SPD in der Opposition“ müsse diese um weltweite Gerechtigkeit kämpfen. Ihr Blick in die Zukunft könnte schon überholt sein, wenn das Buch über die Ladentheke geht.

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