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Die AfD kämpft und wird bekämpft: Wahlplakat in Berlin.
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Die AfD kämpft und wird bekämpft: Wahlplakat in Berlin.

Alternative für Deutschland AfD

Politik als Geschäftsmodell

  • Volker Heise
    VonVolker Heise
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Hans-Olaf Henkel dürfte der erste deutsche Abgeordnete werden, der seinen Sitz im Europäischen Parlament einem klugen Investment verdankt.

Einmal in der Woche muss ich mit der S-Bahn von Berlin nach Potsdam. In Griebnitzsee steige ich aus, unterquere die Gleise in einem Tunnel und komme bei der Universität wieder an das Tageslicht. Links ist ein Imbisswagen, rechts eine Straßenlaterne mit Wahlplakaten aller Parteien. Die Kandidaten für das Europäische Parlament sehen darauf durchweg monsterhaft aus. Bruno Kamm und Anke Domscheit-Berg von der Piratenpartei etwa („Zwei Brandenburger für Europa“) sind so fies fotografiert, so bleichgesichtig und scharfkantig in Szene gesetzt, dass sie als Nebendarsteller in einem Gruselfilm durchgehen könnten.

Auf dem Kopf der Kandidatin der Links-Partei Birgit Müller („100% sozial für Potsdam“) liegt ein Ding, das zuerst wie ein Bildfehler aussieht, dann aber ein Hut sein könnte, auf jeden Fall aber den Eindruck von Gerümpel macht. Hat beim Shooting niemand aufgepasst? Hat sie Feinde in der eigenen Partei? Andreas Walter von den Grünen („Für ein prima Klima“) sieht so aus wie Andreas Walter von den Grünen, also auch nicht besser als Joachim Zeller von der CDU („Joachim Zeller“), der in Berlin von den Plakaten herunterschaut wie ein Mopp, den man in die Ecke gestellt hat und herausholt, wenn an der Decke Spinnweben wegzuputzen sind. Es ist in den Kampagnen der Parteien eine Lieblosigkeit und Schlappheit unterwegs, die den Eindruck einer Pflichtübung macht und nichts Gutes für Europa verheißt.

Nur die Alternative für Deutschland kämpft. Das Europaparlament wird das erste Parlament, in das sie einziehen kann, seit dem Fall der Drei-Prozent-Klausel reichen 150 000 Stimmen für einen Sitz. Ist man dort etabliert, kann man mit EU-Geld ein Büro aufbauen und professionell Politik betreiben, so man dazu in der Lage ist. Der Kandidat Nummer 2, Hans-Olaf Henkel, hat der AfD einen Kredit über eine Million Euro für den Wahlkampf gegeben, was wie eine noble Geste aussieht, aber nicht sein muss. Der Kredit ist mit zwei Prozent verzinst, was deutlich höher ist als jedes Festgeldkonto, und Angst um das Geld muss er nicht haben. Bleibt die Wahlbeteiligung auf dem Niveau von 2009 und erhält die AfD die prognostizierten sieben Prozent, winken rund 1,6 Millionen Euro jährlich aus der Parteienfinanzierung – und Henkel dürfte zum ersten deutschen Parlamentarier werden, der seinen Sitz einem klugen Investment verdankt.

Vielleicht ist das auch der Markenkern einer Partei, die von einem Wirtschaftsprofessor (Bernd Lucke) und einem Ex-Präsidenten der deutschen Industrie (Henkel) geleitet wird: Politik als Geschäftsmodell, für sich persönlich wie für das Land, und die Gesellschaft als Unternehmen, dem man nur ein neues Management mit anschließender Komplettsanierung verpassen muss, um gewinnorientiert und effizient arbeiten zu können.

Und vielleicht erklärt das auch die ideologischen Irrlichter der AfD, die permanent zwischen rechtem Rand und liberaler Mitte schwankt; die rechtspopulistische Inhalte plakatiert („Wir sind nicht das Sozialamt Europas“), aber nicht rechtspopulistisch sein will. Vielleicht sind das alles nur Probeläufe für eine Werbekampagne, deren eigentlichem Produkt das Herz fehlt. Aber es wird der Tag kommen, da wird sich die AfD entscheiden müssen, ob sie nur die D-Mark zurück haben will oder auch den Führer.

Volker Heise ist Filmemacher.

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