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Politik essen Seele auf

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Trump-Störung und Brexit-Syndrom: Wie Donald Trump und Boris Johnson für neue psychische Krankheiten sorgen.

Auch wenn es manchmal nahe liegt: Über den Geisteszustand von Politikern sollte man nicht spekulieren. Wenn allerdings die Politik schon ihre Bürgerinnen und Bürger krank macht, ist es Zeit, sich Sorgen zu machen.

In der „Süddeutschen Zeitung“ war jetzt zu lesen, dass die Politik der Angst, die Leute wie Donald Trump betreiben, schon messbare psychische Auswirkungen habe. Cathrin Kahlweit zitiert in der „SZ“ einen Auszug aus der langen Liste von Symptomen, die unter US-Psychologen kursieren soll: „Paranoia, Angstzustände, Depressionen, somatische Beschwerden, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen und Albträume“. Auch einen Namen hat die Krankheit schon: „Trump Anxiety Disorder“ (TAD), also „Trump-Angststörung“, womit allerdings nicht Trumps Ängste gemeint sind, sondern die Störungen, die er auslöst.

Cathrin Kahlweit schreibt weiter: „Das Fachblatt ,Psychology Today‘ riet Therapeuten in einem Aufsatz unter dem Titel ,What’s Trump Doing in Your Therapy Room?‘ schon 2018, mit ihren Patienten über Politik zu reden. (...) Das Thema ist also offenbar ernst. Und dies nicht nur in den USA. Denn der Brexit, Theresa May und nun Boris Johnson sind zur gleichen Zeit über die Briten gekommen wie Trump über die Amerikaner. Und so mehren sich im Vereinigten Königreich die Anzeichen für etwas, das nicht TAD, sondern BAS abgekürzt wird: das ,Brexit Anxiety Syndrome‘“, also „Brexit-Angstsyndrom“.

„Ökonomische Unsicherheit, die Dauerplanung für den Ernstfall, Sorgen um Arbeitsplatzverlust und drohende Rezession sind allgegenwärtig“, erläutert die Korrespondentin. „Hinzugekommen sind unter Johnson nun auch noch eine spalterische Sprache, Ultimaten, Drohungen, Wutausbrüche, Gesetzesbrüche. Es ist, als lebe das Land unter einem Damoklesschwert, das schwebt und schwebt und doch nicht fällt. Stattdessen fällt das Pfund, und die Hauspreise fallen auch.“

Kahlweit zitiert die Nachrichten-Website Politico mit den Worten, das „psychologische Trauma“ stürze Menschen in die Depression, die es „gewohnt sind, rational zu denken und zu handeln“. Und sie fährt fort: „Die Unterschiede zwischen Remainern und Leavern sind dabei offenbar nicht groß. Das Motto von Johnson, ,Let’s get Brexit done‘, erhöht den Druck auf beide Lager. Die eine Hälfte fürchtet, dass er scheitert. Die andere fürchtet, er macht Ernst. Und fast alle fürchten sich vor dem, was kommt.“ 

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