+
Praktisch, aber ökologisch höchst problematisch - die Plastiktüte. 

Tansania

Trotz Plastiktüten-Verbot: Tansania könnte Ruf verspielen

  • schließen

Tansania erlässt ein richtiges Verbot und könnte trotzdem seinen Ruf im Naturschutz verspielen. Die Kolumne. 

Nun also auch Tansania! Das Land hat Plastiktüten komplett verboten. Selbst Touristen dürfen keine mehr einführen. Mit dem ostafrikanischen Staat steigt die Anzahl der plastiktütenfreien Länder auf rund 80 weltweit. Deutschland ist nicht darunter. Politiker hierzulande setzen, durch Misserfolge kaum belehrbar, lieber auf Freiwilligkeit als auf Gesetze.

Immerhin hat der Bundesgerichtshof ein gewichtiges Verbotsurteil gefällt. Apothekern ist es verboten, ihren Kunden bei rezeptpflichtigen Medikamenten wettbewerbsverzerrende Geschenke in Form etwa von Bonbons, Papiertaschentüchern und Brötchen-Gutscheinen zu machen, selbst wenn die im Pfennigbereich liegen.

Setzt man sonst so gern auf freie Marktwirtschaft, ist verschreibungspflichtige Arznei davon ausgenommen. Aber nur die. Kaufhäuser und Supermärkte, sogar Internet-Medikamentenhändler sind dagegen wie bisher frei, mit Rabatten und Kundenkarten Käufer anzulocken.

Merkwürdiges Gebaren von Klöckner

Über eine Sonderform der Freiwilligkeit freut sich derzeit die Bundesernährungsministerin per Video, nämlich dass Nestlé freiwillig etwas weniger Salz, Fett und Zucker in seine Produkte streut. Als ob das ein Beitrag wäre, dem Gesundheitsaspekt in der Ernährung endlich mehr Gewicht einzuräumen.

Mehr Gewicht der Argumente, denn das Gewicht der Konsumenten wird durch solche Nahrungsmittel ja schon im Übermaß gefördert. Selbst aufgeklärte Verbraucher haben nur geringe Chancen, den Konzern zu umgehen. Zu vielfältig ist dessen Produktpalette. Seine Profitmacherei mit in Plastikflaschen abgefülltem teurem Wasser für durstige Menschen in Afrika ist einer der vielen Kritikpunkte am Konzern. 

Verheerendes Staudamm-Projekt 

Ganz andere Pläne mit Wasser hat die Regierung Tansanias. Ein riesiger Stausee, doppelt so groß wie der Bodensee, soll Strom produzieren für das Land. Das Mammutprojekt ist in einem der wichtigsten und größten Wildschutzgebiete Afrikas geplant, dem Selous. Experten prognostizieren verheerende Auswirkungen auf die dortigen Wildtiere. Aber nicht nur das. Unterhalb des aufgestauten Rufiji-Flusses bekäme die Bevölkerung existenzielle Probleme für ihre Landwirtschaft.

Düngende Sedimente fielen weg. Im Mündungsdelta des Rufiji am Indischen Ozean käme es zu massiven Schäden an den Mangrovenwäldern, was fatal wäre für den Küstenschutz und die lokalen Fischer. Auch kann niemand ausschließen, dass das Wasserkraftwerk schnell versandet und für immer unbrauchbar wird. Die Schäden für die Bevölkerung und die Natur jedenfalls wären weitreichend, dauerhaft und irreparabel.

Warum wird Sonne und Wind nicht genutzt? 

Tansania braucht zweifelsohne Strom für seine wachsende Bevölkerung, aber es gibt nicht einmal ein Verteilungsnetz. Sonne und Wind hätte das Land reichlich, und die könnten dezentral Energie erzeugen.

Mit dem Schutz der Serengeti und seiner anderen Nationalparks hat Tansania bisher Großartiges im Naturschutz geleistet. Die seit Jahren vor Ort arbeitende Zoologische Gesellschaft Frankfurt und andere Naturschutzorganisationen geben die Hoffnung noch nicht auf, die tansanische Regierung könne das Vorhaben in der Schublade verschwinden lassen. Diplomatie ist angesagt bei Beratung und Überzeugungsarbeit, denn Widerstand wird staatlicherseits nicht toleriert. Niemand kann das Land zur Aufgabe des Projektes zwingen. Hier kann nur eine freiwillige Entscheidung helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare