Aktivposten

Plastiktüten sind nicht gleich Plastiktüten

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Schüler eines Gymnasiums in Kiel entwickeln ein Pfandsystem für Einkaufsbeutel und wollen nun ihre Idee realisieren. Der Aktivposten.

Mit den Verboten ist es so eine Sache: Theoretisch klingt ein Verbot von Einwegplastiktüten gut, praktisch aber könnte es mehr Nach- als Vorteile haben. Dieser Überzeugung zumindest ist eine Schülergruppe des Gymnasiums Wellingdorf aus Kiel. Die Jugendlichen haben sich beim Young Economic Summit (YES!) mit der Einwegplastiktüte beschäftigt. Das Wettbewerbsprojekt des Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) in Kooperation mit der Joachim-Herz-Stiftung und dem Institut für Weltwirtschaft an der Uni Kiel will junge Menschen zum nachhaltigen Wirtschaften und Unternehmertum ermutigen. Die Wellingdorfer Schüler wollen nun nichts anderes, als die Idee der Plastiktüte revolutionieren und die Bundesregierung zum Handeln drängen.
„Wir sehen bei uns an den Stränden der Ostsee, dass es immer mehr Plastikmüll gibt“, erzählt Abiturient Steven Handschuh. Die Tüten seien ein besonderes Problem. „Zuerst haben wir auch daran gedacht, dass man sie einfach verbieten sollte“, berichtet der 18-Jährige. Aber zum einen war das Motto ihrer Arbeitsgruppe Kreislaufwirtschaft gewesen, zum anderen haben ihre Recherchen ergeben, dass Papiertüten oder Baumwollbeutel eine schlechtere Öko-Bilanz aufweisen, wenn die Verbraucher sie nicht oft genug nutzen.

„Es ist zu viel Energie und Wasser nötig, um kurzfristig die Plastiktüten durch Papier oder Jutebeutel zu ersetzen“, sagt Handschuh. Er selbst habe zwar Beutel, die er schon seit zehn Jahren benutze. Aber eine Jutetasche müsste mehr als 70 Mal benutzt werden, um als umweltfreundlicher als eine Plastiktüte zu gelten – das hätten die acht Schüler und ein Lehrer herausgefunden.
Trotzdem wollen sie langfristig die Plastiktüte aus der Ostsee und aus den Händen der Verbraucher wegkriegen. Ihr Lösungsansatz ist ein Umweg, aber einer, an den sie glauben: Die Plastiktüten sollen in ein Pfandsystem integriert werden. Und damit die Verbraucher die Tüten nicht einfach nur zurückgeben und sich wieder eine neue an der Kasse geben lassen, sollen die neuen, von den Schülern entwickelten Tüten so robust sein, dass sie mehrfach benutzt werden. Zuerst wollen die Schüler eine hohe Steuer auf jetzige Tüten veranschlagen lassen, dann soll die neue Mehrfach-Pfand-Tüte die bisherige ersetzen und Schritt für Schritt die Menge an verbrauchten Tüten reduzieren.
Damit endet die Idee der Jugendlichen nicht. Ein Teil der Einnahmen aus der Steuer und dem Verkauf der neuen Tüten soll in die Erforschung umweltfreundlicher Plastikmaterialien fließen, erläutert Steven Handschuh, der Wirtschaftschemie studieren will.
Nun kämpfen die Schüler dafür, dass das Bundesumweltministerium ihre Idee ernsthaft prüft, und suchen mit ihrer Petition Unterstützer dafür. Ein erster Erfolg zeichnet sich bereits ab: Das deutsche Designmuseum will bei der Entwicklung der neuen, robusten Mehrfach-Pfand-Tüte helfen.

Der Link zur Petition: .

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