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AUSLESE

Pionier der Sozialgeschichte

  • VonDaniel Haufler
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Zum Tod des Historikers Hans-Ulrich Wehler.

Es gilt seit einer Weile Abschied zu nehmen. Abschied von einer Generation, die vor allem die alte Bundesrepublik geprägt hat: von großen Intellektuellen wie Walter Jens, Ralf Dahrendorf, Joachim Fest und nun Hans-Ulrich Wehler. „Sie alle hatten als Vertreter der Geburtsjahrgänge zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung Hitlers die deutsche Katastrophe schon bewusst erlebt, aber sie waren zu jung, um in vorderer Linie darin verwickelt zu sein. Sie waren Überlebende, Davongekommene, die wussten, dass es auch anders hätte kommen können. Daraus mussten sie etwas machen“, glaubt Gustav Seibt in der „Süddeutschen Zeitung“. Und das taten sie auch.

Der Philosoph Jürgen Habermas erinnert sich in der „FAZ“ an seinen gerade verstorbenen Freund Wehler voller Bewunderung für dessen Vitalität und Durchhaltevermögen als Gelehrter. Als Monument würdigt er die fünfbändige „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ des Historikers. „Hier ist durch den synoptischen Blick eines einzelnen, handschriftlich arbeitenden Geistes ein atemberaubender Reichtum an Daten und Literatur verarbeitet und zu einer großartigen Komposition zusammengefügt worden. Aus der inzwischen ins Globale erweiterten Perspektive der Geisteswissenschaften mag dieses einzigartige Werk das Ende einer stolzen Tradition nationalgeschichtlicher Forschung markieren. Aber ein solches Urteil würde den Aspekt vernachlässigen, unter dem Wehlers Werk einen innovativ-folgenreichen Wechsel der Methode vollzogen und deren Fruchtbarkeit demonstriert hat. Seine prononcierte Hinwendung zur Sozialgeschichte, also die aufklärende Einbettung der politischen und kulturellen Geschichte in ökonomische und gesellschaftliche Kontexte, hat Hans-Ulrich Wehler zu einem der international anerkanntesten und einflussreichsten deutschen Historiker gemacht. Zugleich hat er damit eine nachhaltige Bedeutung für die Mentalitätsgeschichte der alten Bundesrepublik gewonnen.“

Zudem hat sich Wehler als streitbarer politischer Publizist einen Namen gemacht. Es gehöre zu den Eigentümlichkeiten seines Lebens und Werkes, konstatiert sein einstiger Kollege Jürgen Kocka im „Tagesspiegel“, dass er die abwägende Geschichtsschreibung und pointierende politische Publizistik „zusammenzwingen“ konnte. „Eben dies macht im Kern seine einzigartige Bedeutung aus. So erklärt sich seine erhebliche Wirkung auf die deutsche Geschichtswissenschaft seit den 60er Jahren. Aber auch die politische Kultur des Landes wäre ohne ihn ärmer. Beide Leistungen in ihrer Verbindung haben ihn (...) zum einflussreichsten Historiker der Bundesrepublik gemacht.“

Wehlers Fähigkeit zur Kontroverse sei auch dem Aufstieg der Sozialgeschichte zugutegekommen, schreibt Kocka weiter. Geschichtsschreibung und Gegenwartspublizistik könnten sich eben gegenseitig befruchten.

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