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Jan Böhmermann ist seit längerem abgetaucht.

#FreeBoehmi

Petition fordert „Freiheit für Böhmermann“

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Christine Doering will mit ihrer Petition die Bundesregierung im Fall Jan Böhmermann zum Handeln zwingen. Mit ihrer Petition hat sie bereits Hunderttausende Unterstützer erreicht.

Der Fall Böhmermann erregt seit Tagen die Gemüter und bestimmt die öffentliche Debatte in einem Ausmaß, das angesichts der Kombination aus Fernsehprominenz und politischer Brisanz niemanden wundert. Und so überrascht es auch nicht, dass es inzwischen eine Onlinepetition gibt, die „Freiheit für Böhmermann“ fordert und binnen 36 Stunden mehr als Hunderttausend Unterstützer hat. Umso überraschender ist allerdings, wer hinter dem Netzappell in Richtung Kanzleramt steht.

Christine Doering, 35, aus Garmisch-Patenkirchen ist bisher öffentlich weniger als Satirekennerin oder Böhmermann-Fan aufgetreten, sondern als Frauenaktivistin. Sie stammt aus einer bürgerbewegten Familie, ihr Vater hat die Initiative gegen die Olympia-Bewerbung in ihrem Heimatort mitbegründet. Sie selbst berät als früheres Stalkingopfer andere Betroffene, hält Vorträge für Vertreter von Justiz und Polizei, wirbt in Interviews für eine Gesetzesreform. Und sie setzt sich, unter anderem ebenfalls per Onlinepetition, für eine sofortige Ratifizierung der Istanbuler Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein. Und jetzt ausgerechnet #FreeBoehmi?

„Klar, das ist nicht mein Leib- und Magenthema“, gibt sie zu. „Ich bin auch kein Böhmermann-Fan, aber darum geht es auch gar nicht. Sondern darum, dass es ein klares Signal unserer Regierung in Richtung Türkei geben muss: So geht es nicht!“ Die Berichte über die Verhaftungen von Journalisten in der Türkei in den vergangenen Monaten hätten sie mehr und mehr empört. „Ich finde die „Bild“-Zeitung furchtbar, aber ich will doch trotzdem nicht, dass 50 Polizisten die Redaktion stürmen und das Blatt übernehmen“, sagt Doering. Spätestens nach den türkischen Reaktionen auf den Erdogan-Song der Sendung „Extra3“ habe sie sich ein kritisches Statement der Bundeskanzlerin und ein klares Bekenntnis zur Presse- und Meinungsfreiheit gewünscht. „Ich war so wütend, dass das ausblieb.“

„Freiheit für Böhmermann“ bedeutet also nicht etwa, dass dem Moderator doch bitte das Gefängnis erspart bleiben solle. Vielmehr geht es der Aktivistin um ein Bekenntnis zur Freiheit des Journalisten, alles zu sagen, was er meint. Dass Böhmermann in seinem Schmähgedicht auch rassistische Klischees bedient, stört Doering selbst. „Das geht natürlich nicht, doch für mich zählt in diesem Fall der Kontext“, erklärt sie. Es sei doch offensichtlich darum gegangen zu zeigen, was Satire in Deutschland dürfe und was nicht.

Dass ihr Aufruf nun so große Unterstützung erfährt, will sie nicht als Ausdruck des Medienhypes um die Affäre Böhmermann sehen. „Ich wollte ja nicht einfach meine Meinung zu der Person oder dem Gedicht loswerden, sondern handeln.“ Oder vielmehr: die Bundesregierung zum Handeln zwingen.

Doering hofft, dass die schiere Zahl der Unterschriften die Bundesregierung dazu bewegt, „endlich ein Zeichen in punkto Türkei“ zu setzen.

Der Aufruf findet sich unter

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