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"Eine Büttenrede ist eine Büttenrede", lässt Peter Beuth ausrichten.
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"Eine Büttenrede ist eine Büttenrede", lässt Peter Beuth ausrichten.

Büttenrede über Flüchtlinge

Peter Beuth reimt am rechten Rand

  • Patrick Schlereth
    VonPatrick Schlereth
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Die Flüchtlingswitze des hessischen Innenministers in seiner Büttenrede sind von der "Narrenfreiheit" absolut gedeckt. Über die Empörung sollte er sich aber auch nicht wundern. Unser Kommentar.

Verrückte Fastnacht: Bei einer Sitzung im hessischen Taunusstein sind die Verhältnisse auf merkwürdige Weise auf den Kopf gedreht. Eigentlich müsste der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) im Publikum sitzen und zuhören, wie sich die Büttenredner über die Mächtigen in der Politik lustig machen. Stattdessen nutzt der geübte Karnevalist die Veranstaltung, um mit holprigen Reimen über die Schwächsten zu scherzen: minderjährige Kriegsflüchtlinge.

Schwer gedrückt,
wenn Migration ins Zentrum rückt:
Vor dem Flüchtlingsverwalter
verschleiert mancher gern sein Alter.

 

Das stellt unseren Staat fast bloß,
macht Bürger ganz verständnislos.
Manch Flüchtling in 'nem Jugendheim
könnt' fast eher Rentner sein.

Mit den anschließenden Versen hätte Beuth noch Gelegenheit gehabt, seine Scherze durch ein paar gezielte Spitzen gegen das neue Rechts-Establishment in Österreich zu relativieren. Er verlässt sich aber lieber auf ausgelutschte Kalauer über Kanzler-Jungspund Sebastian Kurz, nur der Verweis auf die Segelohren fehlt:

In Österreich hat sich dagegen
Kanzler Kurz durch Wahl ergeben.
Dem baby face will man als Zeichen
dagegen eher eine Windel reichen.

Beim Publikum sorgt die verallgemeinernde Verhöhnung minderjähriger Flüchtlinge jedenfalls für Lacher und Applaus, in den sozialen Medien und bei der hessischen Opposition eher für Empörung. Und wie reagiert Beuth auf die Reaktionen? Er lässt nur tautologisch ausrichten: „Eine Büttenrede ist eine Büttenrede.“

Damit hat er zweifellos Recht. Seine geschmacklosen Einlassungen zu minderjährigen Flüchtlingen sind von der sogenannten „Narrenfreiheit“ absolut gedeckt. Alle Feinde der rot-grün-linksversifften Mainstreampresse können sich also beruhigen: Niemand wird dem Politiker einer Partei mit dem christlichen C im Namen ein Redeverbot erteilen, bevor er das nächste Mal das Konzept der Nächstenliebe der lustigen Fastnachtsstimmung unterordnet.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, das mit den minderjährigen Flüchtlingen! Ja, darf man. Man darf sich dann aber auch über die Empörung nicht wundern, wenn man als Innenminister eine humorige Veranstaltung zur Stimmungsmache gegen vor dem Krieg Geflüchtete missbraucht.

Man kann Beuths Büttenrede harmlos und lustig finden, sollte aber nicht vergessen, dass in jedem Späßchen ein bisschen Ernst steckt. Vor den Landtagswahlen im Oktober hat der Innenminister mit seinen Flüchtlingswitzen im AfD-Stil jedenfalls schon mal vorsorglich am rechten Rand gefischt.

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