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Pete Seeger und Joan Baez im September 1976 während eines Benefiz-Konzerts.
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Pete Seeger und Joan Baez im September 1976 während eines Benefiz-Konzerts.

Pete Seeger Nachrufe

Pete Seeger, die Axt und der Tod

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Der Meister und was von ihm bleibt: In den Nachrufen auf Pete Seeger, den am Montag gestorbenen Gralshüter der Folkmusik, vergewissert sich die US-Gesellschaft noch einmal der kulturellen und sozialen Spaltungen, die die Mitte des 20. Jahrhunderts prägten. Eine Auslese.

Der Meister und was von ihm bleibt: In den Nachrufen auf Pete Seeger, den am Montag gestorbenen Gralshüter der Folkmusik, vergewissert sich die US-Gesellschaft noch einmal der kulturellen und sozialen Spaltungen, die die Mitte des 20. Jahrhunderts prägten. Eine Auslese.

In den Nachrufen auf Pete Seeger, den am Montag gestorbenen Gralshüter der Folkmusik, vergewissert sich die US-Gesellschaft noch einmal der kulturellen und sozialen Spaltungen, die die Mitte des 20. Jahrhunderts prägten. Rassismus, Anti-Kommunismus, Vietnamkrieg – Pete Seeger war der große Vorsänger aller aufbegehrenden Gegenbewegungen. „Für Mr. Seeger“, schreibt Jon Pareles in der „New York Times“, „waren Folkmusik und Gemeinschaftssinn untrennbar, und wo immer er eine Gruppe von Leuten sah, witterte er auch die Möglichkeit zu einer politischen Aktion.“

Der Einfluss, den Seeger auf Musikgrößen wie Joan Baez, Joni Mitchell oder Bruce Springsteen ausübte, wird von niemandem übersehen. Jon Pareles legt indes Wert darauf, eine oft erzählte Anekdote nachzubessern. Als Bob Dylan 1965 mit fetzigem Blues das Newport Folkfestival unter Strom setzte, soll Seeger, der Dylan ein Jahr zuvor in die Gemeinde der Folkies aufgenommen hatte, erregt versucht haben, den Strom zu kappen. Manche meinen, es sei eine Axt im Spiel gewesen. Pareles glaubt, dass Pete Seeger so weit nicht gegangen sei. Eine Axt aber wäre verfügbar gewesen. Eine Gruppe von Gefangenen, die ebenfalls bei dem Festival sangen, hätten Äxte als Begleitinstrumente benutzt.

"Zu jung für Pete Seeger"

Erstaunlich knapp fallen die Reaktionen auf der Internetseite peteseeger.net aus. Das hat einen traurigen Grund. Jim Capaldi, der die Seite über Jahre liebevoll pflegte, ist bereits Ende Dezember im Alter von 63 Jahren gestorben.

In den deutschen Medien klingen die Nachrufe bisweilen so, als sei man überrascht, dass Seeger noch lebte. In der „taz“ verweist Bernd Pickert aber darauf, dass er auch hierzulande gleich mehrere Generationen geprägt hat. „Eigentlich bin ich zu jung für Pete Seeger. Sein berühmtes Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, aus dem die Platte ‚We Shall Overcome‘ wurde, war am 8. Juni 1963, über zwei Jahre vor meiner Geburt. Aber ‚We Shall Overcome‘ stand in der nicht allzu großen Plattensammlung meiner Eltern. Die waren nun nicht besonders US-affin, mit Folk-Musik hatten sie eigentlich nichts zu tun, erst recht waren sie keine 68er. Aber ‚Pete Seeger gehörte irgendwie dazu‘, erinnert sich mein Vater.“

In der „FAZ“ greift Dieter Bartetzko schwer in die Pathos-Tasten. „Schlicht wie das Lied ‚Kisses sweeter than wine‘, aber ergreifender, weil erschütternd weise, ist sein schönster, oft missbrauchter Folksong ‚Where Have All the Flowers Gone‘, das Gleichnis vom unbelehrbar Kriege führenden Menschen. Wenn er ihn mit seiner knarrenden Stimme sang, verblassten die berühmten Versionen von Marlene Dietrich oder Joan Baez: Die Blumen, die wir pflücken, wachsen auf Gräbern Gefallener, und enden womöglich als Schmuck auf Totenkränzen. Vor diesem Zyklus beugte sich selbst der unbeugsame Seeger. Das war sein größter Schmerz – und seine größte Tat.“

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