Asylrecht

Pervertierte Sprache

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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Die EU hat mit „Abschiebepatenschaften“ nicht nur die positive Bedeutung des Wortes Patenschaft ins Gegenteil verkehrt, sondern mit dem Verfahren die Migrationspolitik weiter geschwächt. Ein Kommentar.

Das Feld der Migrations- und Asylpolitik war immer schon für Wortschöpfungen aus dem Gefrierfach gut. Man kann es an den Unworten des Jahres ablesen. 2006 wurde die „freiwillige Ausreise“ von Flüchtlingen prämiert, denen sonst die Abschiebung droht. 2013 folgte der „Sozialtourismus“. Die Europäische Union fügte nun „Abschiebepatenschaften“ hinzu.

Bisher waren Patenschaften positiv besetzt - etwa für Kinder. Es gibt sie aber auch für Bäume oder Tiere – also alles aus dem Bereich des Lebendigen, das umsorgt, gegossen oder sonst wie gepflegt sein will.

Die EU-Kommission verkehrt diese schöne Bedeutung in einem Akt ungehemmter sprachlicher Perversion in ihr Gegenteil, indem sie diese mit dem Wort Abschiebung verbindet. EU-Staaten wie Ungarn oder Polen, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollen helfen, nicht anerkannte Flüchtlinge wieder loszuwerden – im Rahmen der besagten „Abschiebepatenschaften“.

Erst wenn ihnen das nicht gelingt, sollen sie Flüchtlinge selbst beherbergen müssen, gleichsam zur eigenen Bestrafung und jener der Betroffenen. Diese Verweigerung von Hilfe bei gleichzeitiger Verdinglichung von Menschen gilt in Brüssel übrigens als „Solidarität“ – womit eine zweite schöne Vokabel geschreddert wird.

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