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Donald und Melania Trump nutzen die Gelegenheit zum geschmacklosen Foto und veröffentlichen das dann auch noch auf Twitter

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Daumen hoch auf dem Foto mit dem Waisenkind: Trumps Tiefpunkt der Selbstinszenierung

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Für ein Foto lässt der US-Präsident ein Baby zurück ins Krankenhaus holen. Das markiert einen neuen Tiefpunkt. Doch auch der wird dem Präsidenten nicht schaden.

Natürlich besuchte Donald Trump in seiner Funktion als US-Präsident die Überlebenden des rechtsterroristischen Attentats in El Paso. Als Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gehört das zu seinen Aufgaben. Es ist auch nur bedingt sein Versagen, dass von den acht immer noch im Krankenhaus liegenden Menschen drei nicht ansprechbar und die anderen fünf nicht bereit waren für ein Foto mit Trump.

Doch was dann passierte, markiert einen neuen Tiefpunkt in der narzisstischen Selbstinszenierung, die Trump und sein Team seit nunmehr zweieinhalb Jahren veranstalten. Denn ein Foto wurde geschossen und von Melania Trump auf Twitter veröffentlicht. Auf dem Bild hält die First Lady ein Baby im Arm, daneben steht Trump. Beide grinsen, Donald streckt dabei den Daumen hoch. Umrahmt sind die beiden von Tito Anchondo und mutmaßlich seiner Frau. Die beiden sind Onkel und Tante des Babys und überzeugte Republikaner. Die Eltern starben bei dem Anschlag, das Kind überlebte, weil sich Mutter und Vater auf es warfen, um es vor den Kugeln des rassistischen Angreifers zu schützen.

Trump lässt das Baby zurück ins Krankenhaus bringen

Wie Buzzfeed und CNN-Reporter Jim Acosta melden, befand sich das Baby wegen eines bei dem Angriff gebrochenen Daumens in Behandlung, wurde aber vor Trumps Eintreffen bereits wieder entlassen. Nachdem sich abzeichnete, dass keines der anwesenden Opfer ein Foto mit Trump schießen wollte, wurde das Baby kurzerhand wieder zurückgebracht. Für das Foto.

Wem das nicht zynisch genug ist, der betrachte das Grinsen Trumps von einem Ohr zum anderen oder den erhobenen Daumen, den er wie ein Gewinner in die Kamera hält - und das im Angesicht dieser unfassbaren Tragödie.  CNN zitiert darüber hinaus Mitarbeiter des Krankenhauses, die Trump bei seinem Besuch „einen vollständigen Mangel an Empathie“ attestierten. Andere US-Medien berichten davon, dass Trump sein Team angeschrien habe, weil es die Presse nicht zur Foto-Aufnahme hereingelassen habe. Trumps Worte: „Warum lasst ihr sie nicht rein? Ich sehe hier gerade großartig aus.“ 

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Im Weißen Haus sitzt ein Mann ohne Anstand

Doch, noch einmal: All das spielt keine Rolle. Niemand, der einen Funken Anstand in sich trägt oder auch nur zu ein bisschen Empathie in der Lage ist, würde derart grinsen oder seinen Daumen heben, wenn er ein Baby gebracht bekommt, dessen Eltern kurz zuvor beim Versuch, dessen Leben zu retten, ermordet wurden. Weil sie die falsche Hautfarbe hatten, und vielleicht auch, weil ein Präsident im Weißen Haus sitzt, der nichts unversucht lässt, den fremdenfeindlichen Wahn zu befeuern. Nicht, weil er selbst überzeugter Rassist ist, sondern weil es ihm nutzt.

Doch wie kann es einem Menschen Sympathiepunkte einbringen, wenn er die totale Abwesenheit von menschlichen Gefühlen, ausgenommen einer krankhaften Eitelkeit, zur Schau stellt? 

Manchmal wirkt es, als ob Trump in seiner Präsidentschaft nur die nächste Folge einer seiner Reality-Shows sieht. Es geht ihm nicht um Rassismus, es geht ihm nicht um Menschenleben, es geht ihm noch nicht mal um Politik. Es geht um Quote und Aufmerksamkeit, um den Skandal an sich, nicht um den Inhalt.

Trump skandalisiert und das funktioniert 

Und es funktioniert. Seine Anhängerinnen und Anhänger fühlen sich von Liberalen, Einwanderern, Muslimen oder wem auch immer offenbar derart in die Enge gedrängt, dass Anstand und Empathie längst keine Rolle mehr spielen und dass jede Aktion als Sieg interpretiert wird, denn eine Niederlage würde dem Gegner in die Karten spielen, und das darf nicht passieren, koste es was es wolle, und selbst wenn das letzte bisschen Menschlichkeit aufgegeben werden muss. Dann wird das Baby eben zurückgeholt und ein Grinsefoto gemacht. Ist vielleicht der unwürdigste Moment bis dato, ganz sicher aber nicht der Letzte seiner Art.

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