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Horst Seehofer lässt Söder den Vortritt.
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Horst Seehofer lässt Söder den Vortritt.

CSU

Die Partei dominanter Männer

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
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Die CSU stellt das Ende des langen Machtkampfs als Sieg dar. Tatsächlich haben alle verloren - Seehofer, Söder und die Partei. Der Leitartikel.

Immer weiter ist die CSU gesunken. Jetzt hat sie Markus Söder. Die Umfragewerte der Partei sind auf Rekordtiefstand und der Finanzminister wird das, was er schon seit Jahren werden wollte: der neue bayrische Ministerpräsident ab Frühjahr. Horst Seehofer hat den Widerstand aufgegeben. Söder soll es nun richten, die CSU fügt sich seinen Ellbogen.

Über Nacht ist angeblich Frieden eingekehrt in eine Partei, in der sich die Fraktionen hinter den Kulissen gerade noch aufs Übelste bekämpft haben. Mit Schrammen und blauen Augen schleppen sich die Protagonisten auf die Bühne und lesen dort den Text vom „Aufbruch der Partei“ von ihrem Zettel, der künftige König Markus hat schnell noch Zwille und Messer im Anzug verstaut und spricht nun sanft von Anstand und Respekt.

Das Publikum müsste lachen, es applaudiert schon aus reiner Erschöpfung, weil das Stück endlich vorbei ist, das nicht nur Monate, sondern Jahre gedauert hat. Und die auf der Bühne sind froh, dass sie ein Meucheln auf offener Bühne vermieden haben, wäre ja auch nicht schön anzusehen, das viele Blut.

Eine zerrüttete Partei zieht sich da nun zurück zur Vorbereitung der Landtagswahl, es ist eine Partei der Verlierer, gefangen in der Hybris jahrzehntelanger Wahlerfolge.

Der erste Verlierer ist Horst Seehofer. Er kommt aus dieser Geschichte nur auf den ersten Blick einigermaßen gut heraus. Er gehe aus eigenem Antrieb, behauptet Seehofer. Tatsächlich ist er mit seiner Rückzugsankündigung nur der Landtagsfraktion zuvorgekommen, die am Montag auf jeden Fall ihren Lieblingsspitzenkandidaten gekürt hätte.

Seehofer hat auch sonst auf voller Linie verloren: Er hat mit seinem Endlos-Streit mit Angela Merkel das schlechte Unions-Wahlergebnis mitverschuldet. Jahrelang hat er außerdem versucht, Söders Aufstieg zu verhindern, den er als zu intrigant, zu ichbezogen, zu machtbesessen hielt für das Ministerpräsidentenamt.

Seehofer ist Söder unterlegen

Und nun wird es wer? Genau. Auch wenn Seehofer jetzt freudig von einer guten Gesamtlösung spricht – wenn sich seine Einschätzung der Person tatsächlich binnen Wochen geändert haben sollte, müsste er sich fragen lassen, warum er den Söder-Reiz nicht schon viel früher mitentdeckt hat. Es hätte der CSU viel Ärger erspart.

Seehofer konnte Söders Drängen kaum etwas entgegensetzen. Und dass die in der CSU nicht verfangen haben, spricht für sich. Besiegelt war Seehofers Abgang dann durch das Ende der Jamaika-Sondierungen: Mit einem geschickt verhandelten schwarz-gelb-grünen Koalitionsvertrag hätte er seine eigene Unabkömmlichkeit belegen und mit etwas mehr Gewicht einen eigenen Kandidaten installieren können.

Und auch Söder ist nicht nur Gewinner. Er hat zwar jetzt das Ziel seiner Träume erreicht, aber er könnte als Ministerpräsident mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte der CSU eingehen. Die CSU ist in einer Abwärtsbewegung, jeder Umfragewert war ein neues Tief in den vergangenen Monaten, die die gewohnte absolute Mehrheit in Bayern in immer weitere Ferne rückt. Hausgemachte Unglaubwürdigkeit verflüchtigt sich nicht mal eben. Söders mittelprächtiger Ruf wird bei der Wahl nicht helfen. Wenn in Panik vor der AfD am rechten Rand gefischt wird, geht es für die CSU aus wie bei der Europawahl: schlecht.

Ein Ministerpräsident, der die absolute Mehrheit verliert, verliert in der CSU mit einiger Sicherheit auch seinen Job. Da reicht die Flucht in den politischen Beichtstuhl samt Anrufung des Heiligen Franz Josef Strauß nicht mehr. Ein Seehofer-Fluch liegt also über diesem Amtsantritt.

Die CSU verliert auch noch auf andere Weise, und das Ansehen der Politik gleich mit. Nach oben gestiegen ist der, der seine persönlichen Interessen so massiv gespielt hat, dass jede Fachkenntnis dahinter verblasste. Selten hat es sich besser gezeigt, dass Karriere mit Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Talkshow-Präsenz verbunden ist. Ilse Aigner hat ihre Freundlichkeit nichts genutzt und Manfred Weber nicht seine Zurückhaltung. Söders Aufstieg ist so auch die Schwäche seiner Gegner.

Gruß an Kanzlerin Merkel

All das Reden vom Miteinander, vom Aufeinanderzugehen ist nicht verwunderlich: Söder ist davon abhängig, von möglichst vielen getragen zu werden. Auch Seehofer kann er da noch brauchen. Ohne die vielen Stimmen der Oberbayern wird der Franke Söder in Bayern nichts reißen, auch wenn er vorher noch so viele Fördertöpfe übers Land geleert hat. Für Rücksichtnahmen auf Berlin ist künftig Parteivorsitzender Seehofer zuständig. Die Regierungsbildung im Bund macht das nicht einfacher.

Angela Merkel bekommt schon jetzt einen Gruß aus München mit: Ämtertrennung, Generationenübergang – in der CDU wird das nachhallen.

Dass die neue Herrschaftsstruktur der CSU die Männer quasi unter sich ausgemacht haben, sei auch noch erwähnt. Die Umfragewerte sinken, die politische Konkurrenz wächst. Die CSU bleibt sich treu als Partei der dominanten Männer.

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