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Ein Paradies voller Mörder

  • VonThomas Schmid
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Der Islam, Prophet Mohammed und der Humor.

Hunderttausende gingen in Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, auf Bitte des Diktators auf die Straße, um gegen „Charlie Hebdo“ zu demonstrieren. In Niger kamen bei Protesten mehrere Menschen ums Leben. In Marokko wurde der Vertrieb der neuesten Ausgabe von „Charlie Hebdo“ verboten. Während der jüdische Witz über Jahwe Tradition hat und in der christlichen Welt Blasphemie zwar Klerus und Gläubige ärgern mag, aber kein Straftatbestand ist, riskiert in der islamischen Welt viel, wer sich über Mohammed lustig macht.

Aber immerhin mokiert man sich in vielen islamischen Ländern über jene Kopfabschneider, die weltweit Terror verbreiten und viele Jugendliche in Bann ziehen. In die Produktion der Comedy-Serie „Dawlat al-Khurafa“ (Staat der Mythen), in der der „Islamische Staat“ (IS) in 27 Folgen systematisch veralbert wird, investierte der irakische Staat 600 000 Dollar und lockte prompt 750 000 Zuschauer an, wie die Nahost-Spezialistin Mona Sarkis in der „Neuen Zürcher Zeitung“ berichtet. „In einem in Palästina produzierten TV-Sketch“, schreibt sie, „hält ein IS-Kämpfer einen Passanten an und fragt, wie oft der Buchstabe A im Koran vorkomme. Die Antwort des Mannes: ‚Erschießen Sie mich doch gleich.‘“

„Es ist unübersehbar“, stellt Sarkis fest, „quer durch alle arabischen Länder und deren Fernsehsender wird derzeit nichts so genüsslich seziert und parodiert wie der IS.“ Lacht man bloß gegen die Angst an, die der Terror hervorruft? So einfach ist es nicht. Sakris stellt fest, „dass der IS zwar jedermanns neuer Lieblingsfeind ist, aber noch lange keine neue abwehrende Solidarität hervorruft. Stattdessen setzt ihn jeder gegen jeden als Instrument ein“. Für einen palästinensischen Fernsehsender sei der IS eine reine Ausgeburt von Zionisten und Imperialisten. Und deshalb schießt dann in einer Show ein IS-Kämpfer an einem Checkpoint sämtliche palästinensischen Passanten nieder und lässt den israelischen Soldaten unbehelligt. In irakischen und iranischen Cartoons werde gezeigt, wie der saudi-arabische König Abdullah den IS-Kämpfern höchstpersönlich den Patronengürtel übergibt.

Die jungen Männer, die sich mit der Aussicht aufs Paradies für den Dschihad rekrutieren ließen, wüssten nicht, dass sie die Religion schänden, für die sie zu kämpfen vorgeben, schreibt Malek Chebel in „Le Monde“. Der algerische Religionsanthropologe weist darauf hin, dass Mohammed durchaus Humor hatte – anders als seine Zeloten. „Der Islam verweigert förmlich den Märtyrertitel all jenen, die Zivilpersonen ermorden“, schreibt er weiter, „denn wenn alle Mörder unter dem Segen Allahs stünden, würde dies ja ganz einfach bedeuten, dass das Paradies voll von Mördern ist.“ Eine schreckliche Vorstellung, die jedem gesunden Menschenverstand widerspreche.

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