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Überlebende von sexuellem Missbrauch und Mitglieder des ECA (Ending Clergy Abuse) demostrieren in Rom.

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Der Papst enttäuscht

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Es hätte endlich klargestellt werden müssen, dass keiner mehr Priester bleiben darf, der Minderjährige missbraucht hat.

Papst Franziskus hatte selbst den Maßstab gesetzt. Der Antimissbrauchsgipfel im Vatikan dürfe keine vorhersehbaren Verurteilungen, sondern Konkretes, Greifbares bringen, forderte er zur Eröffnung. Und was ist nun das Ergebnis? Einige Schuldeingeständnisse und Reuebekenntnisse später forderte Franziskus in seiner Abschlussrede lediglich, dass jeder Täter der Justiz überstellt werden müsse. Das ist lediglich eine Selbstverständlichkeit. Ebenso, dass die Kirche in der Pflicht ist, sich um die Missbrauchten zu kümmern.

Dagegen hätte endlich klargestellt werden müssen, dass keiner mehr Priester bleiben darf, der Minderjährige missbraucht hat. Dass Akten an die Öffentlichkeit gegeben werden. Und dass die Kirche eine stärkere Gewaltenteilung einführt, die garantiert, dass auch Bischöfe und Kardinäle konsequent bestraft werden, die Missbrauch vertuschen. Außerdem hätten die Kirchenoberen über die Ursachen des Missbrauchs wie Zölibat und engstirnige Sexualmoral, die starre Geschlechterdoktrin und die Kirche als Männer-Bund reden müssen.

Franziskus hat eine Chance vertan, um den Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche als moralische Institution aufzuhalten. Sein Image als progressiver Reformpapst hat er inzwischen fast verspielt.

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