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Private Raumfahrt

Weltraumtourismus: Wettlauf im All ohne jeden Nutzen

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Jeff Bezos, Elon Musk & Co.: Der zunehmende Weltraumtourismus reicher Menschen zeigt, dass es für die Nutzung des Weltalls Regeln braucht. Der Leitartikel.

Frankfurt – Das Space Race der 1960er Jahre erlebt eine Neuauflage – mit dem Unterschied, dass sich nicht zwei Supermächte den Wettlauf im All liefern, sondern eine Handvoll sehr reicher Menschen. Und dass es nicht um politisches Prestige und um wissenschaftliche Erkenntnisse geht und auch der oft beschworene menschliche Entdeckergeist vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Vordergrund dürfte persönlicher Ehrgeiz stehen, der Drang, „Erster“ zu sein – nicht mit irgendetwas, sondern mit dem wohl Außergewöhnlichsten, was heute möglich ist. Eine Art Bungee-Sprung extrem, nur in die andere Richtung.

Weltraumtourismus: Jeff Bezos fliegt am 52. Jahrestag der Mondlandung ins Weltall

Das mit dem „Erster!“ hat für Amazon-Gründer Jeff Bezos in Sachen Vergnügungstrip in unendliche Weiten nicht ganz geklappt. Da kam ihm der britische Unternehmer Richard Bransson zuvor, der sich mit seinem Raumschiff „VSS Unity“ bereits vor zehn Tagen einen Ausflug an den Rand des Weltraums gegönnt hat. Bezos kann als Ausgleich damit aufwarten, den bisher ältesten und bisher jüngsten Menschen ins All zu bringen – und hat sich für seinen Start zudem das geschichtsträchtige Datum 52 Jahre nach der ersten Mondlandung ausgesucht.

Sollen sie ihre Millionen doch ausgeben für was sie wollen, könnte man sagen und neidlos gönnen. Wenn’s Spaß macht und übersättigten Exzentrikern den ultimativen Kick bringt, wen stört’s. Das stimmt schon.

Jeff Bezos fliegt mit Raumschiff „New Shepard“ ins Weltall: Weltraumtourismus haftet Dekadenz an

Und doch berührt das außerirdische Treiben von Bezos & Co. unangenehm. In einer Zeit, da die meisten Menschen ganz andere und oft existenzielle Sorgen haben, haftet dem Weltraumtourismus einiger weniger mehr als nur ein bisschen Dekadenz an, über die man zwar den Kopf schütteln, aber auch schmunzeln könnte. Man muss nicht moralinsauer sein, um die Frage zu stellen, ob das viele Geld nicht anderswo besser investiert gewesen wäre. Zudem: Ein Raumflug ist alles andere als umweltfreundlich. Daran ändert es auch nichts, wenn Bezos für sein Raumschiff „New Shepard“ angibt, es werde mit Wasserstoff betrieben und stoße kein Kohlendioxid aus.

Anders als die Arbeit auf der Internationalen Raumstation, Forschungsmissionen und insbesondere Erdbeobachtungsprogramme trägt Weltraumtourismus nicht dazu bei, das Leben auf der Erde zu verbessern und bringt auch nur überschaubaren wissenschaftlichen Nutzen.

Jeff Bezos ist mit einer Raumkapsel seiner Firma Blue Origin über die Grenze des Weltalls geflogen. (Archivbild)

Raumfahrt-Technologien bewähren sich: Auch Nasa ist auf private Raumfahrtunternehmen angewiesen

Auf der Habenseite steht allenfalls, dass Technologien sich in der Praxis bewähren können; das vor dem Hintergrund, dass auch eine große Weltraumbehörde wie die US-amerikanische Nasa mittlerweile auf private Raumfahrtunternehmen angewiesen ist.

Gleichwohl werfen die spektakulären Aktivitäten eben dieser Unternehmer ein Schlaglicht darauf, dass für die Raumfahrt und die Nutzung des Weltraums dringend international verbindliche Regelungen zu treffen wären. Das gilt nicht nur für touristische Ambitionen wie Flüge im Raumschiff und Pläne für ein Weltraumhotel (gibt es wirklich, soll „Voyager Station“ heißen und 2027 eröffnen), sondern auch für das Platzieren von Satelliten im Orbit, das gerade inflationär zu werden droht.

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Umweltschädlich: „Starlink“-Projekt von Elon Musk sorgt für Vermüllung des Erdorbits

So will SpaceX-Chef Elon Musk für sein „Starlink“-Projekt insgesamt 42 000 Minitrabanten um die Erde kreisen lassen – mit dem Ziel, an jedem Ort weltweit schnelles Internet zur Verfügung zu stellen, ohne dass dafür Glasfasern verlegt werden müssen.

Das klingt gut, trägt aber bei zur Erhellung des Nachthimmels und einer Vermüllung des Erdorbits; beides Probleme, die bereits weit fortgeschritten sind. Die unkontrollierte Zunahme von Satelliten bereitet den Weltraumorganisationen seit Jahren Sorge.

Militärische Nutzung des Weltraums sollte Thema werden – Es braucht Verbote

Mit der Zahl dieser Flugkörper wächst die Gefahr von Kollissionen, deren Folgen für die Infrastruktur verheerend sein könnten; bereits heute ziehen Unmengen von Schrottteilen ihre Bahnen um unseren Planeten. Neben Elon Musk plant auch China eine Mega-Satellitenkonstellation.

Es wäre an der Zeit, das Thema militärische Nutzung des Weltraums in den Blick zu nehmen beziehungsweise umfassende Verbote festzulegen, wo der Weltraumvertrag von 1967 Lücken gelassen hat. Ähnliches gilt für den Mond, der laut diesem Vertrag Gemeingut der Menschheit sein soll – und in fernerer Zukunft auch für den Mars.

Mark Bezos (l-r), Bruder von Jeff Bezos, Milliardär Jeff Bezos, Gründer von Amazon und des Weltraumtourismus-Unternehmens Blue Origin, Oliver Daemen, aus den Niederlanden und Wally Funk, Luftfahrtpionierin aus Texas.

Weltraumtourismus sorgt für potenziellen Streit um Standorte und Ressourcen

Mit dem Lunar Gateway wollen die Nasa und die europäische Weltraumorganisation Esa in den nächsten Jahren eine Raumstation im Mondorbit etablieren, auch ein „Moon Village“ auf der Oberfläche ist im Gespräch. China und Russland planen eine eigene Raumstation auf dem Erdtrabanten. Und gewiss wird der gute alte Mond auch mit touristischen Reisenden rechnen müssen, sobald es realisierbar ist.

Das alles klingt nicht nach abgestimmter globaler Zusammenarbeit, sondern nach Konkurrenz, nach potenziellem Streit um Standorte und Ressourcen, die der Mond bereithält. Forscherinnen und Forscher warnen bereits vor drohenden Konflikten. Aber die Menschheit sollte im Weltraum nicht die Fehler wiederholen, die sie auf der Erde gemacht hat. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Blue Origin/dpa

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