Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Kämpfer des schiitischen Predigers Moqtada al-Sadr in Najaf.
+
Ein Kämpfer des schiitischen Predigers Moqtada al-Sadr in Najaf.

Irak

Obama kann im Irak nur verlieren

  • Damir Fras
    VonDamir Fras
    schließen

Alle haben sich etwas vorgemacht: Der Irak-Krieg war in Wahrheit nie zu Ende. US-Präsident Obama hat in dieser brandgefährlichen Lage zwei Optionen. Beide sind schlecht. Der Leitartikel zum Terror im Irak.

Als die USA Ende 2011 ihre Truppen aus dem Irak abzogen, hieß es, der „dumme Krieg“ (US-Präsident Barack Obama) sei beendet. Im Nachhinein betrachtet war das eine Falschmeldung. Der Krieg, den Obamas Vorgänger George W. Bush auf Lügen gegründet hatte, war nie beendet. Präsident Obama redete sich das selbst, den US-Amerikanern und der Weltöffentlichkeit, die die ewigen US-Alleingänge satt hatte, nur ein.

Alle machten sich etwas vor. Der Krieg war nicht beendet, er eskalierte vielmehr. Die Dschihadisten von Isis (Islamischer Staat im Irak und der Levante ) sind auf dem Vormarsch – und die USA laufen Gefahr, wieder in einen Konflikt hineingezogen zu werden, den sie längst zur Geschichte erklärt haben.

Niemand wird ernsthaft behaupten können, Obama trage Schuld an dieser Entwicklung. Er hat seit Beginn seiner Amtszeit versucht, die USA aus der selbstgewählten Rolle des Weltpolizisten zu befreien. Aber diese Erkenntnis hilft jetzt auch nicht weiter. Die islamistischen Terroristen der Isis schaffen Fakten auf dem irakischen Boden.

Die Amerikaner sind kriegsmüde

Was nun? Obama lehnt aus gutem Grund einen Wiedereinmarsch der US-Armee in den Irak ab. Die Amerikaner sind kriegsmüde, Bushs Irak-Krieg hat mehr als 4500 ihrer Soldaten das Leben gekostet und Unsummen von Geld verschlungen. Das Ergebnis ist Chaos, reines Chaos. Der Sturz Saddams Husseins war falsch, er hat alles nur verschlimmert. Selten zuvor hat eine militärische Intervention so großen, vor allem aber so dauerhaften Schaden angerichtet. Das wissen inzwischen auch die meisten Amerikaner. Entsprechend gering ist ihre Neigung, sich wieder mit Soldaten im Nahen Osten einzumischen.

Der US-Präsident hat nun die Wahl zwischen zwei Optionen. Beide sind schlecht. Schickt er der irakischen Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki noch mehr schwere Waffen aus US-amerikanischen Beständen, wäre das für die USA zwar ein bequemer Weg. Doch ein militärischer Sieg über die Isis wäre damit noch lange nicht garantiert. Die irakische Armee, die diese Waffen benutzen müsste, ist schwach. Manche sagen: unfähig.

Schickt Präsident Obama dagegen US-Kampfflugzeuge, um Isis-Stellungen zu bombardieren, wäre das zwar ein mächtiges Signal, dass sich die USA weiter der Verantwortung für das Chaos bewusst sind, das sie vor mehr als zehn Jahren angerichtet haben. Doch Luftschläge, das zeigt das libysche Beispiel, sind kein Ersatz für Politik. Die Isis wäre vielleicht geschwächt. Das grundlegende Problem, wie sich die verfeindeten Lager im Irak miteinander aussöhnen können, wäre damit aber noch lange nicht gelöst.

In diesen Tagen spürt Obama den Fluch der guten Tat. Der Abzug aus dem Irak vor zweieinhalb Jahren war grundsätzlich richtig, aber er kam verfrüht, wie sich jetzt herausstellt. Der irakische Premierminister Nuri al-Maliki hat zwar bislang seine Machtposition ohne die Amerikaner halten können. Doch nun braucht er die USA, um zu überleben. Das bringt Obama in ein Dilemma.

Obama hat das Chaos geerbt

Diese Erkenntnis zu akzeptieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, wäre der erste Schritt, um eine grundlegend neue US-Außenpolitik zu formulieren. Bislang hat Obama dazu nur wolkige Gedankenmodelle entwickelt, die – siehe Isis – der Realität auf dem Boden nicht standhalten. Obama hat erst vor wenigen Tagen erklärt, dass die militärische Option nicht die einzige sein dürfe, zu der die USA greifen, wenn Krisen auf dieser Welt entstehen. Das mag für die Zukunft ein vernünftiger Plan sein, für die Gegenwart im Irak ist es das nicht.

Doch was bleibt Obama nun, da dort ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist und seine Forderung an Ministerpräsident Maliki, im Land für einen politischen Versöhnungsplan zu sorgen, bestenfalls wie der Versuch wirkt, Zeit zu gewinnen, die der amerikanische Präsident nicht hat?

Es ist nun einmal so: Obama hat das Chaos nicht ausgelöst, aber es hat es von seinem Vorgänger geerbt, der nun nicht einmal mehr ein Wort dazu sagen möchte. Bush redet sich damit heraus, die Amtsgeschäfte seines Nachfolgers nicht kommentieren zu wollen. Wie erbärmlich. Nun muss Obama das Problem lösen. Der irakische Regierungschef Maliki wird es nicht können, selbst wenn er es wollte. Die Europäer inklusive der Briten, die damals an Bushs Seite so begierig darauf waren, Saddam Hussein zu stürzen, werden es auch nicht tun.

Der Vormarsch der Dschihadisten im Irak ist für die gesamte Region zwischen Mittelmeer und Zentralasien brandgefährlich. Denn er hat das Potenzial, den Iran in den Konflikt zu ziehen und über viele Grenzen hinweg auszustrahlen. Was wird geschehen, wenn die USA und ihre Verbündeten demnächst aus Afghanistan abziehen? Mutmaßlich nichts Gutes. Die Taliban werden in diesen Tagen genau auf den Irak schauen und sich schon überlegen, wie sie nach dem Tag X vorgehen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare