Kolumne

Nützliche Netze

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Im Internet wird zwar viel Unwahres verbreitet. Aber es gibt auch eine Menge Beispiele für den Nutzen der grenzenlosen Kommunikation.

Blitzschnell und global lassen sich über das Internet Meldungen verbreiten. Das ist insbesondere dann unerfreulich, wenn es sich um Behauptungen handelt, die durch Fakten nicht belegbar sind. Solche gezielt eingesetzten oder einfach dummen Falschinformationen machen die Welt nicht besser. Allzu leicht wird die Grenze zwischen sachlich Richtigem und bloßer Meinung verwischt. Das führt zwangsläufig zu Verwirrung darüber, was stimmt und was erfunden ist.

Andererseits ist erfreulich, dass es einer Schülerin dank Internet gelungen ist, eine fast weltweite Welle der Besorgnis auszulösen. Fridays for Future ist der Beweis, dass Menschen etwas bewegen können und die Bildung solcher Netzwerke die Politiker zum Handeln zwingen kann.

Manche reagieren freilich nur mit unüberlegten Kommentaren. Die Forderung, dass Schulpflichtige nur in der Freizeit streiken sollten, müsste konsequenterweise auch für gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer gelten. Damit ist sie ein Angriff auf die Grundfesten der Demokratie und passt eigentlich so gar nicht zum Namen der sich selbst als freiheitlich demokratisch bezeichnenden Partei.

Diese hat gerade eine parlamentarische Anfrage gestellt, deren Beantwortung viel Arbeitskraft in den Ministerien bindet. Vordergründig geht es dabei um die Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen mit Steuergeld. Das zu erfragen ist natürlich ein fundamentales Recht von Parlamentariern. Aber es geht nicht nur um Finanzen. Viele Fragen haben den üblen Beigeschmack der Diskreditierung von Teilen der Zivilgesellschaft und deren Projekten vor allem im Natur- und Umweltschutz.

Das Internet wird zunehmend genutzt, um Netzwerke zur Durchsetzung von Interessen zu bilden. So haben Schülerinnen und Schüler jetzt bundesweit reklamiert, das Matheabitur sei zu schwer. Jedenfalls kommen Politiker um Stellungnahmen nicht herum. In Demokratien muss gewährleistet sein, dass diese angemessen und lösungsorientiert abgegeben werden.

Durchgreifende politische Reaktionen müssen jetzt auch auf den Bericht des Welt-Biodiversitätsrates IPBES erfolgen. Der hat das globale Artensterben in einem Dokument zusammengefasst, das besorgniserregender nicht sein könnte. Und es besteht aus Fakten, nicht Meinungen. Gleichzeitig wurde ein Arbeitsplan für die nächsten zehn Jahre verabschiedet. 132 Staaten der Erde haben den Bericht mit ihrer Unterschrift angenommen. Wiederum wird es der internationalen Wachsamkeit der Zivilgesellschaft bedürfen, um bei den Politikern die dringend notwendigen Maßnahmen einzufordern.

Wie es vor Ort um unsere Umwelt steht, offenbarte sich gerade diese Woche wieder eindringlich bei einer Konferenz im spanischen Valencia. Das vom Global Nature Fund mit Sitz in Deutschland gegründete Netzwerk Living Lakes vereinte dort 200 Teilnehmer aus 40 Ländern. Betroffene, Praktiker, Wissenschaftler sowie öffentliche Verwaltungen präsentierten die Probleme ihrer Seen und damit auch der Trinkwasserversorgung. Und, wichtiger noch, auf dieser fünfzehnten Konferenz wurde vermehrt von Erfolgen berichtet.

Nicht alle weltweiten Netzwerke haben das Potenzial, auf den ersten Zeitungsseiten und in den Abendnachrichten rund um den Globus sichtbar zu werden. Aber es macht Mut, zu wissen, dass sie da sind und daran arbeiten, eine menschengerechte Umwelt zu erhalten.

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