+
Wie deutsch muss ein Lebkuchenherz auf dem Nürnberger Christkindlmarkt sein? 

Rassismus und AfD

Christkind ist nicht blond genug: Der Pfeil ins Herz der AfD-Seele

  • schließen

Ein weiterer Beleg, wie die AfD tickt, findet sich in der Causa um das Nürnberger Christkind. Ein Kommentar.

Eigentlich hätte es keines Beweises mehr bedurft, dass es sich bei der AfD um eine Partei handelt, die im Völkischen ihr Heil gefunden hat. Ihre politische Agenda ist auf den Nationalstaat fixiert, der seinen Fokus auf diejenigen richtet, die im Blut-und-Boden-Sinne über Generationen in der Heimatmarkierung verwurzelt sind. Und die sind, so hätten sie es wohl gerne bei der AfD, weiß.

AfD und der verhasste Multikulturalismus

Nicht von ungefähr kommt daher der Dauerbezug zu den Germanen, der Wunsch nach einem starken Deutschland, das zur alten Männlichkeit und germanischem Angriffsgeist zurückfinden möge. Es ist eben das Gegenmodell zur real existierenden multikulturellen Gesellschaft, dieser verhassten links-versifften Weicheierblase, das die AfD in seinem Wahlpamphlet als Kernforderung benennt. Entsprechend ist im Grundsatzprogramm ein Bekenntnis zur „deutschen Leitkultur“ formuliert – was immer das sein mag -, hingegen „die Ideologie des Multikulturalismus … als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“ betrachtet wird.

In der Vorweihnachtszeit ist der Kampf für das deutscheste Deutschland seit 1933 besonders mühsam. Überall lauert die Bedrohung, sei es in homosexuellen Zipfelmännern (anstatt Nikolaus), sei es im Wintermarkt (anstatt Weihnachtsmarkt) oder sei es in buntem Weihnachtsgebäck anstatt dem braunem – überall wird sie verdrängt, die abendländische Kultur, geopfert auf dem Altar des Gutmenschentums.

Nürnberg hat ein neues Christkind

Der Pfeil ins Herz der AfD-Seele ereignete sich jedoch kürzlich in Nürnberg. Ausgerechnet in der Stadt der Reichsparteitage wurde eine dunkelhaarige Schülerin zum neuen Christkind gekürt. Sie heißt auch nicht Annegret Deutschländer, sondern Benigna Munsi.

„Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages geht es uns wie den Indianern“, machte sich der AfD Kreisverband München-Land beeindruckend lächerlich. „Uns“, also uns Blut-und Boden-Deutschen, geht es bald wie den „Indianern? Werden wir etwa von 17-jährigen Schülerinnen in Reservate gesperrt? Wird uns gepanschter Schnaps verkauft, auf das die letzte reindeutsche Hirnzelle sich gen Nirvana verabschiede?

Die Angst scheint tief zu sitzen, blickt man in die sozialen Netzwerke: „Ein Christkind hat blonde Locken“, tobt es etwa auf der Facebook-Seite „Unser Deutschland – patriotisch und frei“. Oder „zum Kotzen“, „Bald wird auch das Christkind umbenannt“ etc.pp. Lauter Posts von Rassisten, die am völkischen Rad drehen und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die AfD wählen.

Nürnberg und das Christkind - AfD-Supergau

Passt, wie auch der Meinungsbeitrag von Hardy Rupsch, IT-Redakteur bei der AfD-Fraktion im Bundestag. „Ein Christkindl, dem man die fremde Herkunft an der Nasenspitze ansehen kann, ist ein Schlag ins Gesicht aller Freunde von Tradition und gewachsener Kultur.“ Vorab hatte er über die „vielen Existenzformen“ eines „Jesus Christus“ sinniert und resigniert zur Kenntnis genommen, dass das „Christkindl … schon länger weiblich“ sei. Das ist natürlich die Höchststrafe, einen Posten als Frau zu besetzen, der eigentlich dem Manne angedacht ist, und zudem noch nicht einmal, also wenn schon, mit der gebührenden Haartracht.

Die Nummer ist für eine Partei, die permanent behauptet, nicht rassistisch zu sein, der Supergau – zumal sie völlig ungeniert gegen eine 17-Jährige hetzt, obwohl doch das Kindswohl angebliche Priorität hat. Erinnert sei an Carsten Härle der AfD Heusenstamm, der sich 2017 an einer Schülerin abgearbeitet hatte, die einen Preis für Zivilcourage bekam.

„Nazinotstand“: Dresden streitet weiter über Beschluss des Stadtrats

Inzwischen rudert zumindest der Münchner Kreisverband zurück, der offensichtlich mit diesem Widerstand in den sozialen Netzwerken nicht gerechnet hat. Jetzt hätte angeblich ein „Redakteur“ auf deren Seite andere Vorstellungen von einem „Christkind“, sei aber sofort zurückgetreten und habe niemanden beleidigen wollen. Das er niemanden beleidigen wollte, mag sogar angehen. Dass dass „nicht den Werten der AfD“ entspricht, ist hingegen grober Unfug. Vielmehr ist es Parteiagenda.

Dieses von braun ins blau Umlackierte funktioniert nicht, das sollten sie bei der AfD einfach mal zur Kenntnis nehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare