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Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreis-Trägers in Stockholm. Das Image des Komitees ist schwer angeschlagen.

Kommentar

Blamage und Demontage

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Das Jurymitglied Englund beschädigt mit dem angekündigten Boykott der Nobelwoche das ohnehin ramponierte Image des Literaturnobelpreiskomitees. Ein Kommentar.

Um das schwer ramponierte Image des Literaturnobelpreiskomitees aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu nehmen, wurde der Preis im vergangenen Jahr nicht verliehen. Denn wegen der Skandale in der Schwedischen Akademie schaute nicht nur eine literarische Öffentlichkeit genauer hin. In diesem Jahr war durch das Votum der Jury für Peter Handke dafür gesorgt, dass auch eine politische Öffentlichkeit nicht unbeteiligt blieb, empört wegen der politisch und moralisch verantwortungslosen Parteinahme des Preisträgers für die serbische Seite in den Jugoslawienkriegen.

Zur Skandalgeschichte, die nicht nur in die Literaturgeschichte eingehen wird, wird man den gestrigen Coup eines langjährigen Mitglieds der Schwedischen Akademie zählen. Nachdem in dieser Woche bereits zwei externe Experten das Komitee verließen, kündigte das Akademiemitglied Peter Englund an, die diesjährige Nobelwoche zu boykottieren. Wohlgemerkt, kein Jurymitglied, aber ein Insider, der genug Zeit gehabt hätte, um in den vergangenen Wochen die Jury zu einem Beitrag im öffentlichen Diskurs aufzufordern. Der gestrige Coup mag sich wie ein heroischer Einspruch gegen Handke lesen – tatsächlich handelt es sich um die Demontage des Literaturnobelpreises und eine Blamage für sein Komitee. 

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