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Die niedrigen Ölpreise sind nicht für jedes Land gut.
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Die niedrigen Ölpreise sind nicht für jedes Land gut.

Ölpreis

Niedrige Ölpreise führen zu politischen Turbulenzen

  • VonStephan Kaufmann
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Während sich die Industriestaaten über die sinkenden Preise freuen, droht durch die aktuelle Entwicklung am Ölmarkt in manchen Förderstaaten politische Instabilität. Analyse

Der Ölpreis liegt derzeit nicht einmal mehr halb so hoch wie vor einem Jahr. Das freut Konsumenten und Unternehmen in den Industrieländern. Tanken und Heizen werden billiger, die Inflationsrate sinkt, und das gesparte Geld wird frei für andere Anschaffungen, was gleichzeitig die Konjunktur unterstützt. Ein Problem ist der Ölpreisrutsch aber für zahlreiche Förderländer. Sie erleiden Einnahmerückgänge, müssen daher mehr Schulden machen, Ausgaben streichen oder ihre Reserven plündern. Das kann auch zu politischer Instabilität führen.

Eines der Opfer der sinkenden Preise ist Russland. Die Regierung in Moskau hat gerade ihre Prognosen für 2015 gesenkt, nun erwartet sie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent. Der niedrige Ölpreis hat den Rubel abstürzen lassen, was Importwaren verteuert und so die Russen ärmer macht. Die Inflationsrate dürfte dieses Jahr laut Regierungsprognosen bei elf Prozent liegen.

Hart trifft die Öl-Baisse auch den Großproduzenten Saudi-Arabien. Die Einnahmeausfälle wird die Regierung dieses Jahr durch ein Haushaltsdefizit kompensieren, das 20 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen könnte. Das Land will seine Ausgaben nicht kürzen, da der Staat der Hauptarbeitgeber der Saudis ist und seinen Einwohnern zudem großzügige Nachlässe gewährt – eine persönliche Einkommensteuer gibt es nicht, der Benzin-Preis wird künstlich niedrig gehalten. Die Benzin-Subventionen könnten dieses Jahr 50 Milliarden Dollar erreichen. Um ihren Marktanteil zu halten und die neuen Konkurrenten aus den USA aus dem Markt zu drängen, fördern die Saudis unter Hochdruck. Dagegen wehren sich kleine, ärmere Länder wie Algerien, Venezuela und Libyen, die nicht über Finanzreserven wie die Saudis verfügen. Sie wollen die Förderung der Opec-Staaten drosseln, um den Preis zu stabilisieren. Aus dem Ölverkauf generiert Algerien 95 Prozent seiner Exporteinnahmen, 60 Prozent der Staatsausgaben hängen davon ab. Öffentliche Unterstützung für Hauseigentümer, subventionierte Benzin- und Nahrungsmittelpreise haben das Land bislang politisch stabilisiert. Doch nun könnte das Geld knapp werden.

Politische Turbulenzen verstärkt der niedrige Ölpreis auch in Venezuela, wo im Dezember gewählt wird. Dem Land wird eine ausgewachsene Wirtschaftskrise vorhergesagt. In Ecuador ist die Popularität von Präsident Rafael Correa abgesackt: Dem Land droht eine lange Rezession, da schwere Regenfälle die Kakao-Ernte verschlechtern und gleichzeitig der Ölpreis abschmiert.

Große politische Risiken des billigen Öls sehen Analysten derzeit in Libyen, wo die schrumpfenden Einnahmen zur Verschärfung der Verteilungskämpfe führen, was in einem politischen Chaos münden könnte. Am härtesten könnte der Ölpreisrückgang allerdings den Irak treffen, derzeit nach Saudi-Arabien größter Opec-Produzent. Denn die Öleinnahmen fehlen für die Finanzierung des Militärs, auch im Kampf gegen den IS. Zudem droht eine drastische Abwertung der Landeswährung Dinar, was die Preise im Land steigen lassen wird – die Bevölkerung protestiert bereits heute lautstark gegen die Unterbrechung von Stromlieferungen und die Rationierung von Wasser.

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