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LEITARTIKEL

Nicht nachlassen

  • VonFelix Huesmann
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Wir müssen jetzt handeln, damit einem Sommer des Aufatmens nicht ein Herbst und Winter mit Lockdown und Einschränkungen folgen.

Es sind die kleinen Momente der Normalität, die diesen Sommer nach Monaten der Einschränkungen so erholsam und erträglich machen. Der gemeinsame Abend mit Freundinnen und Freunden im Biergarten, das stetige Wiedererwachen von Kunst und Kultur nach der langen coronabedingten Zwangspause. Für einen Augenblick lässt sich beinahe vergessen, dass die Pandemie noch längst nicht durchgestanden ist. Doch wenn diese Augenblicke des Vergessens zu lang und zu zahlreich werden, drohen sie die Normalität schnell wieder hinwegzufegen.

Mit dem Rückgang der Inzidenzwerte nahm auch die Vorsicht ab. Gleichzeitig geht die Bereitschaft zur schützenden Impfung bundesweit in einem Maße zurück, das erschreckt. Sind doch Vorsicht und Impfungen weiter die einzigen Wege, dieser Pandemie Herr zu werden.

Der erleichternde Trend bei den Infektionszahlen hat sich längst umgekehrt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnt bereits vor Inzidenzen jenseits der 400 im September – wenn alles so weiter geht. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Der so wichtige Regelbetrieb in den Schulen nach den Sommerferien steht damit auf der Kippe. Auf den Sommer des Aufatmens könnten ein langer Herbst und Winter der Lockdown-Maßnahmen und Einschränkungen folgen. Das kann niemand wollen. Und dafür zu sorgen, dass dieser Fall nicht eintritt, liegt an allen in der Gesellschaft. Nachlässigkeiten bei den Grundregeln der Pandemiebekämpfung können wir uns nicht erlauben. Masken bleiben weiter wichtig, ebenso Abstand und vor allem: Anstand.

Staat und Gesellschaft müssen zudem mehr denn je alles tun, damit die Impfkampagne nicht zum Erliegen kommt. Dass nun schon in Fußballstadien geimpft wird, wie es aktuell in Dortmund geschieht, dass sich auch Verkehrsunternehmen und Medienkonzerne am Impfen der Bevölkerung beteiligen, ist ein richtiger Schritt. Auch Impfaktionen auf öffentlichen Plätzen, für die es keinen Termin mehr braucht, sind wichtig. Je geringer die Hürden, desto besser.

Doch die gegenläufige Entwicklung von Infektions- und Impfzahlen wird auch Debatten über unpopuläre Maßnahmen wieder anheizen: Sollte es zumindest in sensiblen Bereichen wie Medizin und Pflege eine Impfpflicht geben? Vernünftig wäre das, die Politik hat jedwede Corona-Impfpflicht jedoch bislang aus Angst vor dem Gegenwind vieler Bürgerinnen und Bürger ausgeschlossen. In Frankreich hat Staatspräsident Emmanuel Macron eine solche jüngst angekündigt. Sowohl die Schlangen vor Impfzentren als auch die Proteste von Impfgegner:innen wurden daraufhin größer.

Als Druckmittel dient in Frankreich auch der Zugang zu Veranstaltungen oder der Gastronomie. Ungeimpfte brauchen einen negativen Test. Und diese sollen ab September kostenpflichtig werden. Im Vergleich zu einer Impfpflicht ist das ein milderes Mittel und böte sich auch in Deutschland an. Für jene, die (noch) nicht geimpft werden dürfen, könnte der Staat die Kosten für Schnelltests weiter übernehmen.

Und auch über Impfanreize sollte in Deutschland noch einmal nachgedacht werden. 50 Euro zur Impfung, bar auf die Hand. Das könnte tatsächlich etwas bewirken, wie der Politikwissenschaftler Felix Hartmann unlängst in einer Studie gezeigt hat. Natürlich wäre das ungerecht all jenen gegenüber, die sich bereits – unentgeltlich – haben impfen lassen. Und sicherlich sollte der persönliche Impfschutz Anreiz genug sein.

Doch verglichen mit den Kosten für die Behandlung von Covid-19-Kranken und allen gesellschaftlichen Schäden wäre die Investition wohl ein Klacks. Wenn wir diese Pandemie in den Griff bekommen wollen, braucht es kreative Lösungen. Frei nach dem Motto: Gut ist, was funktioniert. Profitieren würden davon schließlich alle. Bericht S. 10

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