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Nicht mehr glaubwürdig

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Von: Andreas Niesmann

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Die Impfpriorisierung darf nicht aufgehoben werden, weil es die Glaubwürdigkeit in die Politik nicht erhöht, wenn ein System eingeführt und dann nicht durchgehalten wird

Die Impfpriorisierung hat den Eindruck erweckt, dass alle ihren Piks bekommen, wenn sie an der Reihe sind. Was anfangs noch einigermaßen funktioniert haben mag, hat sich inzwischen als Illusion entpuppt. Inzwischen gilt: Wer nach den Regeln spielt und darauf wartet, dass seine Gruppe an der Reihe ist, schaut in die Röhre. Insofern scheint die Entscheidung naheliegend, die Reihenfolge zu kippen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn zum 7. Juni angekündigt hat. Und doch ist die Entscheidung falsch.

Erstens, weil Spahn damit ein nie dagewesenes Chaos in deutschen Hausarztpraxen angerichtet hat. Viele haben angesichts des Ansturms Impfwilliger längst die Hörer danebengelegt. Bitte rufen Sie nicht für einen Impftermin an, der Hinweis findet sich auf unzähligen Webseiten. Zweitens mangelt es noch immer an Impfstoff. Wenn plötzlich alle dürfen, aber nicht alle können, wächst dadurch vor allem der Frust.

Und drittens stellt die verfrühte Freigabe das System der Priorisierung infrage. Wie will man einem Patienten aus Gruppe 3 erklären, warum er warten durfte, während die Gruppe 4 nun beinahe gleichzeitig mit ihm geimpft wird? Ein System einzuführen und dann nicht durchzuhalten, erhöht nicht die Glaubwürdigkeit der Politik. Aber daran haben wir uns in der Pandemie gewöhnt.

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