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Dem Nazi-Mob sollte die Zivilgesellschaft nicht hilflos begegnen.
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Dem Nazi-Mob sollte die Zivilgesellschaft nicht hilflos begegnen.

Kolumne

Nicht duldend ertragen

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Nazi-Musik findet gerade über Skinhead-Partys rasante Verbreitung. Erdulden muss man die Propaganda der Rechtsradikalen nicht, sondern ihr mit Aufklärung begegnen.

Gudrun Schuster und Ute Röhrdanz sind zwei mutige Frauen. Sie kommen aus Nienhagen im Nordharz und standen kürzlich am Tag des Grundgesetzes auf einer Bühne in Berlin, weil sie als Botschafterinnen für Demokratie und Toleranz geehrt wurden. Die Auszeichnung nahmen sie stellvertretend für ihr Bürgerbündnis „Nienhagen-Rechtsrockfrei“ mit nach Hause. Dort erwartet sie am 28. Juni das nächste Konzert in Form einer europaweit beworbenen Skinhead-Party.

Die 380 Einwohner, geschützt durch mindestens die gleiche Anzahl von Polizeibeamten, stehen dann, wie schon in den letzten Jahren, mindestens 1200 Neonazis gegenüber. Weil es sich um eine Privatveranstaltung des Unternehmers Oliver Malina handelt, ist zu erwarten, dass das Oberverwaltungsgericht in Magdeburg wieder einmal die Beschwerde des Landkreises Harz abweisen wird, sollte er ein Verbot erlassen und gegen dessen Aufhebung klagen. Im Vorjahr kommentierte der Innenminister von Sachsen-Anhalt diesen Vorgang mit den Worten: „Das zeigt auch, dass wir in einer freien Demokratie solche Dinge duldend ertragen müssen.“

Müssen wir das wirklich duldend ertragen? Sollten wir nicht lieber tätig werden und aufklären? Zum Beispiel, dass sich die im Jahre 2000 in Deutschland verbotene Organisation „Blood & Honour“ hierzulande flugs in „Honour & Pride“ umbenannt und somit legalisiert hat. Unter diesem Label veranstaltet sie Konzerte mit Texten, deren Grundelemente Rassismus und Gewaltverherrlichung sind – bestens vernetzt in Europa und in die Naziszene der USA.

30 Jahre Rechtsrock

Oliver Malina kam aus der niedersächsischen Neonazi-Kameradschaft von Salzgitter und lebt jetzt in Nienhagen. Aus seiner Jugend ist dank einem offenherzigen Interview für die „Bravo“ bekannt, dass er voller Stolz auf eine Baseballschläger-Attacke gegen Punker das Jugendstrafgesetz verhöhnte, das ihn „höchstens für ein paar Sozialstunden ins Altersheim schicken“ würde. Aus dem jungen Mann ist inzwischen einer der erfolgreichsten Musikveranstalter für rechtsextreme Rockmusik geworden. Also jener Einstiegsdroge, mit der sich Neonazis ihren Nachwuchs rekrutieren. Gerade hat die verdienstvolle Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema „Neue Töne von Rechts“ ein Seminar durchgeführt, um zum zweifelhaften Jubiläums von „30 Jahren Rechtsrock“ auf die enorme Wirkung dieser Subkultur aufmerksam zu machen.

Es sind Leute wie Malina und der inzwischen im thüringischen Eichsfeld lebende Schulhof-CD-Initiator Thorsten Heise (elffach vorbestrafter NPD-Funktionär), die  mit Neonazi-Musik nicht nur groß Kasse machen, sondern zu den erfolgreichsten Propagandisten der Rechtsradikalen gehören.

Heise setzt auf einen florierenden Internet-Versand von Nazi-Musik über Schriften seines Nordland-Verlags („Volk in Bewegung - Der Reichsbote“) bis zur Ausstattung mit Original-GSG 9-Uniformteilen, angeblich zum Selbstschutz der braunen Genossen. Es hat sich vor allem über das Internet eine Struktur der rasend schnellen Information wie des Zusammengehörigkeitsgefühls der Rechtsextremen gebildet, dem die Zivilgesellschaft aufmerksam, aber oft hilflos scheinend begegnet. So ist es einer dörflichen Bürgerbewegung zu danken, das dunkle Treiben der Naziaktivisten ins Licht zu rücken. Denn nicht alles lässt sich duldend ertragen.

Klaus Staeck ist Grafiker und Verleger.

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