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Ein englischer Fußballfan für den Brexit. Bei der EM sind die Engländer nicht mehr dabei.
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Ein englischer Fußballfan für den Brexit. Bei der EM sind die Engländer nicht mehr dabei.

EU-Referendum

Es ist nicht alles schlecht am Brexit

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Die Kommerzkickerei in Frankreich tritt in den Hintergrund, Speisen wie „Lamm in Minzsoße“ dürfen nicht mehr eingeführt werden. Sonst hat der Brexit nur Nachteile. Die Kolumne.

Eigentlich ist dieser Brexit ja gar nicht so verkehrt. Zumindest kurzfristig und leider rasch vergänglich hatte er jedenfalls eine segensreiche Auswirkung. Für eine kleine Weile nämlich rückte das unsägliche Getue um die Kommerzkickerei in Frankreich ein wenig in den Hintergrund. In eigentlich ernsthaften Nachrichtensendungen sah man nicht als erstes Bild Jogi Löw auf einer Pressekonferenz hinter einer Coladose endlose Plattitüden um Belangloses dreschen, sondern David Cameron vor dem Haus Downingstreet Nummer zehn um knappe Worte für kaum Fassbares ringen.

Als Nächstes wurden nicht biersaufende, schlandgrölende und durch französische Städte torkelnde deutsche Horden gezeigt (liebe Franzosen, das großmütig auszuhalten, das ist gelebtes Europa. Merci dafür!), sondern nüchterne Briten, die das soeben Geschehene noch gar nicht recht begreifen konnten. Die Deutschen spielen Fußball und tun so, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt, und die Briten wollen aus der Europäischen Union und sägen damit an ihrem Königreich. Komische Welt.

Was bringt der Brexit sonst noch Gutes? Wenig. Die alten Insulaner haben den Jungen die Zukunft vermasselt, die Schotten machen dicht, und die südenglischen Fischer dürfen voraussichtlich mehr Fische als bisher fangen, die dann paniert und geschmacklos gewürzt in Fritteusen einen grauenvollen zweiten Tod sterben müssen.

In einer englischen Fish & Chips-Bude zu landen, ist nämlich selbst für die buddhistischsten aller Meerestiere die mit Abstand schlimmste nächste Daseinsstufe. Da hat es sogar ein Lamm in einer Minzsoße noch besser. Das einzig weitere Gute an Brexit: Speisen dieser Art darf künftig die Einreise nach Deutschland verwehrt werden. Das war’s dann aber auch, sonst fällt mir nichts ein. Der Rest ist fürchterlich.

Eines der entsetzlichsten Beispiele ist das Freudengejohle halbseidener Geldverdiener wie Börsenhansels und Immobilienmakler. Jene sehen vor ihrem geistigen Auge bereits Zigtausende von geldgestopften Bänkern und Wirtschaftsanwälten mit Sack und Pack nach Frankfurt pilgern, um dann von hier aus die Geschicke Europas zu lenken. Das bringe Leben in den Immobilienmarkt, sagen Makler, denn die Neubürger brauchen ja Wohnungen. Doch mit „Leben“ meinen sie Profit, und „Profit“ bedeutet Sterben. Denn was das für die ohnehin schon angespannte Wohnungssituation in Frankfurt bedeutet, kann man sich leicht vorstellen: ein weiteres Aussterben vormals einigermaßen intakter Sozialstrukturen in vielen Stadtvierteln.

Da kommt es doch gerade recht, dass die Stadt Frankfurt anfängt, ein Mittel anzuwenden, das ihr zusteht, seit in einigen begehrten Gebieten die „Milieuschutzsatzung“ gilt. Danach hat sie ein Vorkaufsrecht für Häuser, die von Umwandlung in Eigentumswohnungen und „Luxussanierung“ bedroht sind.

So geschah es unlängst im Stadtteil Bockenheim, sehr zum Verdruss von Miethaien und Eigentümerverbänden, denen anscheinend immer mehr Entmieter statt Vermieter angehören. Was wurde da gewettert! „Das sind Hemmnisse für den Wohnungsbau“, weinte man in der „FAZ“, man fühle sich „gedeckelt“, der Milieuschutz sei ein „Eingriff in die Eigentumsrechte“ und, hört hört, das habe „nichts mit freiem Markt zu tun“. Gut so.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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