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Eine Frau nimmt in Frankfurt an der Volksabstimmung über die türkische Verfassungsänderung teil.

Türkei-Spionage

Neues Gift für belastete Beziehungen

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Es ist inakzeptabel, wenn die Türkei Menschen in Deutschland bespitzeln lässt. Ein Kommentar.

Dass Geheimdienste zweier Nato-Staaten zusammenarbeiten, etwa in der Terrorismusabwehr, darf als normal gelten. Der Bundesregierung kommt es durchaus zupass, dass die Türkei die Grenze zu Syrien abgeriegelt hat und Informationen über Mitglieder des „Islamischen Staats“ liefert. Nun aber ist bekannt geworden, dass der türkische Auslandsgeheimdienst MIT in Deutschland lebende angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung ausspioniert.

Seit sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem einstigen Vertrauten überworfen hat, betrachtet er den in den USA lebenden islamischen Prediger als Todfeind. Erdogan und seine AKP machen ihn für den gescheiterten Putschversuch im vergangen Jahr verantwortlich, ohne dies zu beweisen. Anhänger der Bewegung gelten als Terroristen, sie werden verfolgt, denunziert und verhaftet.

Angebliche Gülen-Anhänger in Deutschland auszuspionieren und zu hoffen, dass die deutschen Behörden zu Handlangern werden, ist inakzeptabel. Für die schwer belasteten deutsch-türkischen Beziehungen ist das neues Gift, zumal auch Imame des muslimischen Dachverbandes Ditib verdächtigt werden, Erdogan-Kritiker zu bespitzeln und zu denunzieren. Der Vorgang belegt, wie tief der Graben zwischen beiden Ländern ist.

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