Gastbeitrag

Mit neuer Energie gegen den Hunger

  • schließen

Die Erderwärmung sorgt vor allem in Afrika für Dürre und schlechte Ernten. Wir müssen den Menschen helfen, mit den Folgen zu leben. 

Der Klimawandel ist auch bei uns angekommen. Hitzesommer, Waldbrände und Niederschlag als Mangelware waren die Schlagwörter 2018. Jedoch treffen die Folgen den globalen Süden mit besonderer Härte.

Der Klimawandel wird für den Hobbygärtner genauso wie für die industrielle Landwirtschaft zum Problem. Während Hobbygärtner im vergangenen Sommer zweimal täglich ihr Grün wässern mussten, sind in Niedersachsen Dürreschäden von fast einer Milliarde Euro angefallen.

Mit Blick auf ganz Deutschland ist die Getreideernte um fast ein Viertel eingebrochen. Bund und Länder stellten gemeinsam Hilfen von bis zu 340 Millionen Euro bereit, um einen Teil der Schäden auszugleichen. Der Klimawandel ist auch an der Supermarktkasse angekommen. Durch den Ernteeinbruch 2018 sind die Preise für unser tägliches Brot gestiegen.

Insofern ist es keine Frage: Den Klimawandel müssen sich die Menschen im doppelten Sinne leisten können. Während die Menschen in Deutschland langsam erahnen, was die Erderwärmung bedeutet, schlägt der Klimawandel in den Ländern des globalen Südens erbarmungslos zu.

Die Region Ostafrika und die Sahelzone leiden seit mehreren Jahren unter ausbleibenden Regenfällen. Die sich verschärfende Trockenheit verschlechtert die Agrarwirtschaft und die Nutztierhaltung. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkung auf die Ernten in den nördlichen und zentralen Regionen Somalias. Ernteausfälle bedrohen die arme Bevölkerung durch Hungertod.

Gerade Somalia ist ein Land, das im vergangenen Vierteljahrhundert nur Krieg und gewaltsame Konflikte kannte. ADRA ist eine von sieben internationalen Nichtregierungsorganisationen, die sich im Somalia Resilience Program verpflichten, gemeinsam mit der somalischen Regierung ein Resilienzmodell zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Gemeinsam wollen die NGOs die Folgen der Dürre mindern und die Widerstandsfähigkeit gegen künftige Dürren stärken. Die Maßnahmen, die ADRA in Somalia durchführt, werden partizipativ mit der Bevölkerung geplant und umgesetzt. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem die Verteilung von landwirtschaftlichen Gütern, gemeinschaftliche Initiativen zur Nutztiergesundheit sowie Bau und Modernisierung wichtiger Wasserentnahmestellen. ADRA möchte die Menschen in Somalia dabei unterstützen, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen und sich langfristig wieder selbst zu versorgen.

Einen anderen Weg geht ADRA in Äthiopien. Die Hälfte der Äthiopier ist jünger als 18 Jahre, jedes Jahr strömen fast drei Millionen Heranwachsende auf den Arbeitsmarkt. ADRA hat gemeinsam mit unserem Partnerbüro in Äthiopien ein Ausbildungsprojekt entwickelt, das die Umwelt schützt und jungen Menschen eine Zukunft bietet. Es werden 2200 Jugendliche durch eine Ausbildung im Bereich der Erneuerbaren Energien unterstützt.

Bei diesem Projekt, das gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt wird, geht es vorrangig um die Ausbildung der Jugendlichen, aber auch um Vertrieb, Montage, Wartung und Instandhaltung von Solar-Technologien.

Das Mantra der Bundesregierung lautet nach wie vor: Fluchtursachen bekämpfen. Klimawandel, Dürre und Armut setzen den ärmsten Ländern in Afrika heftig zu und dies sind allemal Fluchtgründe. Laut den Vereinten Nationen zählt Somalia zu den zehn größten Herkunftsländern von Flüchtlingen. Das Nachbarland Äthiopien hingegen gehört zu den zehn wichtigsten Aufnahmeländern in Afrika .

Die geschilderten Projekte wären nicht möglich ohne die Unterstützung von Geldgebern. ADRA Deutschland arbeitet zusammen mit dem Auswärtigen Amt, dem BMZ, der Europäischen Kommission sowie vielen privaten Spenderinnen und Spendern. Aber gerade die Regierungen der Industrieländer müssen viel mehr Mittel bereitstellen, um den Anstieg der Erderwärmung zu bekämpfen oder wenigsten auf 1,5 Grad zu begrenzen. Und wir alle müssen Menschen dabei unterstützen, mit den Folgen der Erderwärmung klarzukommen.

Als globaler Norden haben wir eine Verantwortung für unser Tun und ebenso für die Maßnahmen, die wir unterlassen, um die Erderwärmung zu stoppen. Jetzt muss gehandelt werden, um zukünftige Katastrophen zu mildern. Unser tägliches Brot ist Kulturgut und zählt weltweit zu den Grundnahrungsmitteln. Der Brotpreis korreliert direkt mit den Ernten. Was wir in Deutschland halbwegs verkraften, führt in anderen Teilen der Welt zu handfesten Hungerkatastrophen.

Christian Molke ist Geschäftsführer der Entwicklungs- und Katastrophenhilfsorganisation ADRA Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare