Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Homeoffice bietet – wenn richtig vorbereitet – nach Corona eine Chance.
+
Das Homeoffice bietet – wenn richtig vorbereitet – nach Corona eine Chance.

Gastbeitrag

Neue Ära der Arbeit

Nach der Pandemie werden weiterhin viele im Homeoffice arbeiten. Das kann eine Chance sein, muss aber gut vorbereitet werden. Ein Gastbeitrag von Thomas J. Dettling und Daniel Dettling.

Die Corona-Krise verändert die Arbeitswelt. Die massenhafte Einführung von digitalen Arbeitsplätzen hat zu Produktivitätsgewinnen für die Unternehmen geführt. Ein Zurück zum alten Rhythmus der Arbeit wird es für die allermeisten Unternehmen und Mitarbeitenden nicht geben, auch wenn die Sehnsucht danach groß ist. Doch was kommt stattdessen? Viele fürchten eine „hybride Spaltung“, die Führungskräfte wie Mitarbeiter überfordert. Der Trend zum Homeoffice zeigt, wie wichtig das soziale Miteinander für ein innovatives und kreatives Arbeitsklima ist.

Das Homeoffice spaltet die Arbeitswelt in mindestens drei Gruppen: diejenigen, die von überall aus arbeiten („Work-from-anywhere“), diejenigen, die von zu Hause arbeiten („Work-from-home“), und jene, die nur vor Ort arbeiten („Work-from-office“). Für die einen ist das Arbeiten von zu Hause nicht mehr wegzudenken. Unterschiede zeigen sich bei Motivation, Work-Life-Balance und Produktivität. An der Harvard Business School wurden auch die Ergebnisse flexibler Arbeitsregelungen verglichen. Das Team fand heraus, dass Mitarbeiter mit „Work-from-anywhere“-Regelung um 4,4 Prozent produktiver waren als diejenigen mit einer festen „Work-from-home“-Regelung.

Wer von zu Hause oder aus der Ferne arbeitet, nimmt in Kauf, dass die klaren Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Homeoffice bietet zwar mehr Freiheit und Flexibilität, ist aber auch mit der Notwendigkeit einer größeren Eigenverantwortung verbunden. Für fast alle bedeutet das mehr Stress. Die einen fühlen sich unter-, die anderen überfordert. Burn- und Bore-out werden zunehmen, „Mental Health“ und „Workplace Wellbeing“ werden zur neuen Herausforderung in der Welt nach Corona.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das nicht gewohnt ist, „sozial distanziert“ zu leben. Wie lange Menschen sozial entkoppelt bleiben können, wurde durch Covid-19 auf die Probe gestellt. Untersuchungen zeigen, dass Remote-Arbeiter zwar an Produktivität gewinnen, aber oft an Kreativität und innovativem Denken einbüßen. In Studien wurde gezeigt, dass Menschen, die in einem Raum zusammenarbeiten, Probleme tendenziell schneller lösen als entfernte Mitarbeiter, und dass der Teamzusammenhalt in entfernten Arbeitsarrangements leidet.

Das sind Indikatoren, die zu hybriden Lösungen tendieren. Bis zu drei Tage im Homeoffice, das ist der Wunsch von vielen Befragten, der Rest der Zeit in gut vorbereitenden Office-Zones mit vielen Möglichkeiten für Austausch, kreativem Erproben und innovativer Co-Creation. Nicht mehr allein, sondern in Gemeinsamkeit mit KollegInnen und Kunden. Trotzdem, so zeigen es auch neueste Konzepte bei Siemens Energy, darf es an Ruhezonen und Rückzugmöglichkeiten nicht fehlen.

Die Nähe zu anderen Menschen ermöglicht es uns, unsere menschlichsten Qualitäten wie Empathie, gemeinsame Gestaltung und Zusammenarbeit und Emotionen zum Ausdruck zu bringen: Fähigkeiten, die nicht automatisiert werden können. Und sie sind es, die die Art von bedeutungsvollen zwischenmenschlichen Kontakten hervorbringen, die wir verpassen, wenn wir zu Hause ‚festsitzen‘.

Um die Chancen des digitalen Arbeitsplatzes zu nutzen, sollten wir jetzt eine neue Ära der Arbeitsorganisation einläuten: mit Wissensnetzwerken, hybriden Formen der Zusammenarbeit und Leadership. Digitale Arbeitsplätze brauchen eine Kultur der Interaktion und der Kooperation. Nur so können Menschen mit Technik und mit Kreativität, Critical Thinking und Innovation hochgesteckte Ziele erfüllen. Es geht um mehr „Freiheit“ für die Mitarbeitenden und mehr Leaders statt Bosses in Unternehmen und Organisationen. Bei der Gestaltung der Arbeitswelt nach Corona spielt das Thema Werte eine zentrale Rolle. Die Ansprüche und Erwartungen der Mitarbeitenden haben sich in der Pandemie verändert. „Wertebasierte Führung“ wird zum Zukunftsmodell. Es geht um Sinnstiftung und Nachhaltigkeit.

In den vergangenen Monaten haben wir gezeigt, dass wir uns auf verändernde Bedingungen einstellen können. In einer Zeit der Unbeständigkeit, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit sind dies herausragende Erkenntnisse und Erfahrungen. Das Büro als Kulturort ist wichtiger denn je, auch wenn die Menschen dort nur an wenigen Tagen pro Woche anwesend sein werden. Umso wichtiger wird der identitätsstiftende und soziale Effekt. Es sind auch neue Chancen für gemeinsames Lernen und Weiterentwicklung und für die Neuerfindung der Arbeit – auf individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene. Wir sollten diese Chancen nutzen und nicht vergeuden.

Thomas J. Dettling ist Senior Partner Digital Transformation bei Siemens Energy.
Daniel Dettling ist Gründer und Leiter des Instituts für Zukunftspolitik.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare