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Neubau der Bühnen ist eine Chance

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Die neuen Städtischen Bühnen sind eine Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft. Natürlich steht Frankfurt auch vor großen sozialen Herausforderungen - doch die reiche Stadt ist imstande, beides zu leisten.

Die Gefahr ist groß, dass sich ein negatives Szenario wiederholt, das vor einem Vierteljahrhundert die Frankfurter Kommunalpolitik in eine Schieflage brachte. Als 1993 die damalige rot-grüne Römer-Koalition vor riesigen Haushalts-Problemen stand, wurden das Soziale und die Kultur gegeneinander ausgespielt. „Die Kultur muss bluten“: Diese Parole gaben die Grünen aus.

Tatsächlich opferte der damalige Magistrat wichtige Stützpfeiler der Kulturszene wie etwa das Theater am Turm oder den freien Eintritt in die Museen. Letzteren gibt es bis heute noch nicht wieder – so lange wirken die Fehler von damals fort.

Natürlich sind die sozialen Herausforderungen, vor denen die Kommune heute steht, immens. Die soziale Spaltung nimmt zu  – und die Stadt muss gegensteuern. Das rasant wachsende Frankfurt muss Schulen und Kitas bauen.

Diese Aufgaben dürfen aber nicht in einen Gegensatz gebracht werden zum Ausbau der kulturellen Infrastruktur. Die reiche Stadt Frankfurt ist imstande, beides zu leisten.

Mit Oper und Schauspiel verfügt die Kulturstadt Frankfurt über internationale Imageträger. Die vielfach ausgezeichneten Bühnen strahlen weit über Frankfurt und Hessen hinaus aus. Die Menschen kommen von weither, um sich Inszenierungen anzusehen.

 Noch ist nicht entschieden, ob es zu einem Neubau der Bühnen kommt. Es spricht aber viel dafür, dass die jetzt beauftragten Fachleute keine Sanierung der Theater-Doppelanlage von 1963 empfehlen werden. Denn sie wäre ein völlig unkalkulierbares finanzielles Risiko.

Ein Neubau der Bühnen ist auch eine Chance. Die Kulturstadt Frankfurt kann demonstrieren, wie ein Theater des 21. Jahrhunderts beschaffen sein muss. Sie kann städtebaulich und architektonisch ein Zeichen setzen. Ein solcher Neubau ist keine Aufgabe der Stadt alleine.

So ist auch die Rechnung falsch, dass die Kosten alleine auf die Kommune zukommen. Es ist nicht unrealistisch, dass sich auch Land und Bund an der Finanzierung beteiligen. Auch die privaten Unternehmen sind gefordert, die in Frankfurt sehr viel Geld verdienen. Sie treten bereits jetzt als Mäzene für die Kultur auf und werden das auch in diesem Fall tun.

Die neuen Bühnen: Sie sind eine Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft. Es ist falsch, die sogenannte Hochkultur als Protz und Prunk zu denunzieren. Wer sich mit Inhalten der Inszenierungen beschäftigt, der weiß, dass hier viel Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft transportiert wird. Und auch Menschen, die auf der Schattenseite der glitzernden Metropole leben, werden als Besucher (und Mitakteure) eingebunden. 

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