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Hat nichts auf dem rechten Speisezettel zu suchen: Sushi.

Kolumne

Was Nazi-Göring mit dem Speiseplan von Rechtsextremen zu tun hat

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Hamburger oder Sushi können nicht auf dem Speisezettel Rechtsextremer stehen. Aber was dann? Die Kolumne. 

Eigentlich war es doch längst überfällig, sich dieser Frage zu widmen. Seit Jahren drängt sie sich auf, jetzt ist sie dran. Sie lautet: Was essen Nazis? Brownies? Nazi-Göring? Kein Fleisch, weil Hitler Vegetarier war?

Sie lachen. Was sollen Ausländerhasser schon essen. Döner, Pizza, Hamburger und Sushi natürlich. Schon zu Bomberjackenzeiten war es üblich, nachts den türkischen Imbiss mit Baseballschlägern zu zerdeppern, in dem man sich tagsüber den Magen vollschlug.

Essen mit Nazis kann nicht jeder

Denn Hunger war ja bekanntlich schon immer ein schlechter Ratgeber, nicht erst seit Bertolt Brecht kommt erst das Fressen und dann die Moral, in diesem Falle halt die Unmoral – aber selbst die macht offensichtlich keine Unterschiede. Außerdem treten politische Ideale schon mal bereitwillig in den Hintergrund, sobald persönliche Vorteile locken.

Da geht man denn auch schon mal seiner gleichgeschlechtlichen sexuellen Neigung nach oder zieht in die Schweiz, um im geliebten deutschen Vaterland keine Steuern zahlen zu müssen. Und zum Lohn wird man dann auch noch baden-württembergische Landesvorsitzende einer Faschistenpartei.

Nazis sollte man aushungern

Aber nun mal weg von Plattitüden und wirklich hin zu der Frage „Was essen Nazis?“. Ich weiß das nicht genau, sicher aber ist: Ich kann nicht mit Nazis essen. Vor vielen Jahren nämlich nahm ich mal im Rahmen einer verdeckten Recherche an einem Seminar einer rechten Bildungsanstalt im Teutoburger Wald teil und kann sagen: Ich habe noch nie binnen weniger Tage so viel abgenommen. Der enge Umgang mit Nazis ist die beste Diät für aufrechte Demokraten. Wem andauernd zum Kotzen ist, der verschmäht das köstlichste Mahl. Es sei denn, das Essen ist Teil des Kampfes.

Eine andere Lösung ist nämlich, die Rechten auszuhungern. Ich tat das häufig, als ich noch regelmäßig Italien bereiste. Dort begab ich mich zu Dorffesten und fraß den Faschisten alle ihre Spanferkel weg. Zugegeben, die waren auch immer schmackhafter als die der Kommunisten, doch das war nur eine angenehme Begleiterscheinung.

Keine Schorle für Nazis 

Wichtig war, dass ich so die Lega Nord in Schach hielt. Mittlerweile hat diese Aufgabe die Sardinen-Bewegung übernommen, was ich für sehr erfreulich halte. Denn auch die Frittura Mista der Faschisten ist nicht zu verachten.

In meiner Heimat, der Pfalz, geht man andere Wege. In dieser traditionell stramm rechten Ecke Deutschlands widmet sich die Jugend seit Jahren einem dankbaren Unterfangen und trägt bei jeder der vielen Demos gegen Rechts in vorderster Linie ein schwarzes Transparent mit der Aufschrift „Keine Schorle für Nazis“.

Dazu muss man wissen, dass die Rieslingschorle im Halbliterglas für den Pfälzer ein unverzichtbares Lebenselixier ist. Verwehrt man sie ihm, erkrankt er rasch an Skorbut, um schließlich wie eine nicht gegossene Zimmerpflanze leise zu verkümmern.

Eine taugliche Methode also. Beim gemeinen Pfälzer verdrängt sie sogar den seit Jahren von jungen Frauen in anderen Gebieten propagierten, vermeintlich ultimativen Slogan „Kein Sex mit Nazis“.

Aber was essen denn nun Nazis? Ich gebe endlich zu: Das ist mir vollkommen wurscht. Genauso wie der Blog, in dem neuerdings irgendein rechter Simpel seinen Gesinnungsgenossen vorschreibt, was ein aufrechter Deutscher zu essen habe. Oh Armut!

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