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Kolumne

Nationale Macken

  • Volker Heise
    VonVolker Heise
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Fast jedes Land hat eine Angewohnheit, die nicht gut für die Menschen ist, von der sie trotzdem nicht lassen können.

Jede Nation hat eine Macke. Eine Angewohnheit, die nicht gut für sie ist, oft sogar kontraproduktiv und gefährlich, auf jedem Fall aber einem friedlichen Zusammenleben abträglich – von der sie trotzdem nicht lassen kann. Oft ist sie sogar stolz auf die Macke, hält auf jeden Fall eigensinnig daran fest, gegen jede Vernunft. In den USA etwa spricht alles für eine Änderung der Waffengesetze. Wöchentlich wird in einer Schule Amok gelaufen mit Knarren, die in Supermärkten gekauft wurden. Es gibt mehr Tote in diesem Land durch Waffengebrauch als in einem mittleren Bürgerkrieg. Mafiabanden aus aller Welt versorgen sich mit Hochleistungsgeschossen, die für den dritten Weltkrieg konstruiert worden sind, und stürzen Nachbarländer wie Mexiko ins Chaos.

In Italien heißt die Macke Mafia. Warum es dem Land nicht gelingt, sich von diesen parasitären Verbindungen zu lösen, ist ein ungeklärtes Rätsel. Wahrscheinlich ist es die ausufernde, alles überwuchernde und mit den legalen und illegalen Eliten verstrickte Bürokratie, die das ganze Land erstickt und dem Einzelnen nur die Wahl der Waffen lässt. Wer keine Möglichkeiten zur Entfaltung bekommt, schießt sich den Weg frei.

In Frankreich ist es die Gänsestopfleber, was auf französisch viel netter klingt: Foie gras. Jeder vernünftige, mit einem Herzen ausgestattete Mensch wird zugeben müssen, dass es eine arge Tierquälerei ist, wenn Gänse vier mal am Tag mit Mais und Schweineschmalz vollgestopft werden, bis ihre Leber mindestens fünfmal so groß ist wie normal. Auf der anderen Seite schmeckt Foie gras sehr, sehr gut. Und seit der Front National das savoir-vivre-Image des Landes nachhaltig in die Tonne getreten hat, ist die exzellente Küche die einzige Möglichkeit der Grand Nation, ein wenig Glanz in der Welt zu verbreiten.

Schließlich Deutschland. Hier war es die Autobahn. In keinem anderen Land der Welt kann ungestraft mit 280 Stundenkilometer die Stunde über öffentliche Straßen gebrettert und tödliche Unfälle riskiert werden. Warum das so war? Vielleicht, weil das Dritte Reich doch etwas Gutes gehabt haben muss, damit der Mitläufer sich daran festhalten kann. Vielleicht war es aber auch die Notwendigkeit, ein Ventil haben zu müssen in einem überregulierten, von Gesetzen und Verordnungen gefesselten Leben und die Freiheit da zu suchen, wo zivilisierte Länder ein Gaspedal haben.

Aber das ist Geschichte. Die neueste Macke der Deutschen ist ihr Bedürfnis, Politiker aus dem Amt zu jagen, die einen guten Job machen. Zuletzt musste es die Regierung Schröder/Fischer spüren, die das Land nicht nur aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat, sondern mit der Agenda 2010 auch einen Wirtschaftaufschwung einleitete, der bis heute anhält.

Nun ist Angela Merkel dran. Während ihre Parteifreunde – nun, bei diesen Freunden wären sie mit Feinde besser bedient – von einfachen Lösungen träumen und schnellen Schnitten, versucht sie das Europa zusammenzuhalten, auf dem unser Reichtum sich gründet. Sie ist die letzte Realpolitikerin, umgeben von politischen Träumern, die daran glauben, alles könne so bleiben wie es ist, in einer Welt, in der noch nie etwas so blieb, wie es war. Rechte Träumer sind das deutsche Unglück, schon immer, und auch Sturmgeschütze der Demokratie können mit Wölfen heulen.

Volker Heise ist Filmemacher.

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