Katzenfutter

Napfbefehl

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Woher hat der Kater seine Fress-Vorlieben? Wie ist er in seinem früheren Leben als Streuner an das Ragout gekommen? Was würde Tante Friede dazu sagen? Die Kolumne.

Welches Katzenfutter soll ich kaufen?“, hatte meine Tochter gefragt, als der Tag näherrückte, an dem der Kater bei uns einziehen sollte, und sie aufgeregt an der Einkaufsliste feilte. „Nimm einfach das billigste“, antwortete ich damals lässig. „Der Kater hat zuletzt auf der Straße gelebt und wird schon begeistert sein, dass er hier überhaupt regelmäßig etwas bekommt.“

Mit Schaudern dachte ich dabei an meine Tante Friede zurück, in deren dunkler Küche es stets säuerlich nach den Innereien gerochen hatte, die für die Katze täglich aufwendig gekocht und dann in bunten Porzellanschälchen serviert worden waren. Und im Haus einer Freundin in Süddeutschland sind bisher noch alle Vierbeiner zu empfindsamsten Feinschmeckern mutiert, die ausschließlich gebratenes Hühnchen essen. So einen Zirkus würde es bei uns nicht geben! Hier wird gefressen, was in den Napf kommt.

Da das Thema aber nun einmal aufgekommen war, wollte ich doch nicht ganz unberaten bleiben und googelte ein wenig, während meine Tochter einkaufen war. „Hauptsache ohne Zucker!“, fügte ich meiner Anweisung beiläufig hinzu, als sie zurückkam und sechs Dosen Kitekat auf den Tisch stellte. Kitekat enthält Zucker. Ich erklärte ihr, dass Katzen die Süße gar nicht schmecken, aber trotzdem davon abhängig und entsprechend verfressen werden, was ja keiner wollen kann, und meine Tochter verstand, dass sie noch einmal losmusste.

Sicherheitshalber belas ich mich vorher weiter und beauftragte sie dann, ruhig ein Produkt im oberen Preissegment mit hohem Fleischanteil und zusätzlich ohne Getreide zu suchen. Sie brachte drei Geschmacksrichtungen, und wir waren gerüstet.

Was soll ich sagen: Das Überraschendste an dem griechischen Straßenkater, der unser Zuhause ohne Zögern in Besitz nahm, war und ist, dass er Essbares nur daran erkennt, dass es in seinem Napf liegt. Er nimmt nichts aus der Hand entgegen: keine sogenannten Leckerli, aber auch keine Wurst, keinen Käse, keinen Fisch, ja, vermutlich ist er das einzige Katzentier, das das Weite sucht, wenn ein Becher mit Sahne auf dem Küchenfußboden zerplatzt.

Wie auch immer er das in der Athener Innenstadt, wo er gefunden wurde, mit dem Napf gemanagt haben mag – erschwerend hinzu kommt, dass das Futter nicht pur drin liegen darf (Pastete), sondern in Stücken, von Gelee umgeben (Ragout).

Fragen Sie nicht, wie lange es gedauert hat, bis wir das herausgefunden haben. Wie viel Gemaunze seinerseits und zunehmend verzweifeltes Monitoring („Frisst er jetzt?“, „Ich glaube, das schmeckt ihm!“, „Nein, er hat nur zwei Bissen genommen!“) unsererseits es gekostet hat, und ja, es gibt diese Art Futter tatsächlich auch ohne Zucker und Getreide.

Neulich abends war die letzte Dose „Feine Mahlzeit“ allerdings verfüttert, und lediglich Bestände von Abgelehntem befanden sich noch in dem Schrank, den er hartnäckig und lautstark belauerte. Ich gebe ungern zu, dass ich kurz vor Mitternacht weich wurde und unter Stiefeln und Mantel schon meinen Schlafanzug trug, als ich es gerade noch rechtzeitig in den Spät-Edeka schaffte.

Als Alibi kaufte ich noch eine Flasche Wein, und als ich bei meiner Rückkehr die Wohnungstür öffnete, erfüllte mich plötzlich die reine Dankbarkeit dafür, dass dieses Tier nur frisst, was aus der Dose kommt. Dadurch riecht es bei uns zumindest nicht auch noch so wie bei Tante Friede.

Petra Kohse ist Autorin.

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