+
Für die einen ist es unerträglich, manch andere finden es positiv: Abschiebungen nach nach Afghanistan.

Nachrichten

Wenn’s empathiebefreite Zombies gut finden, kann’s nur schlecht sein

  • schließen

Wann wird eine Nachricht positiv, wann negativ? Letztlich entscheiden darüber Leser*innen. Die Kolumne.

Die Welt ist schlecht – zumindest in großen Teilen. Entsprechend schlecht wird sie in den Medien abgebildet. Das scheint auf Dauer verständlicherweise depressiv zu machen, weshalb der geballten „Schlechte-Nachrichten-Front“ zu kontern versucht wird.

„Die Welt kann mehr, als du denkst“, heißt es etwa auf der Webseite „Reddit“, wo fünf Meldungen beispielhaft stehen für positive Nachrichten. Aber sind diese wirklich und objektiv positiv oder rekurrieren sie sich nicht vielmehr nur aus einer moralinsauren Haltung heraus, die dem emanzipatorischen linksgrünen Diktat geschuldet ist?

„Italiener dürfen nun zu Hause Cannabis in kleinen Mengen anbauen“, heißt es etwa. Und rein subjektiv: Ja, Italien kann, wobei die Alkohollobby das nicht als positiv definieren dürfte. Noch spannender ist die Nachricht, dass Kinder in Tunesien ab sofort in der Grundschule Sexualkundeunterricht erhalten. Was sagen sie bei der sogenannten „Demo für alle“ dazu? Die sind zumindest hierzulande für frühkindliche Sexualerziehung nur bedingt zu haben.

Das Motto der Rechten: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten

Entsprechend entscheidet nicht das Medium, was eine „gute“ oder was eine „schlechte“ Nachricht ist, sondern der/die Leser/in. Sicher, niemand wird es als schlechte Meldung empfinden, wenn die Feuerwehr einen Hamster aus einem Gully befreit.

Aber wenn Menschen, die sich zunächst aus einer lebensbedrohlichen Situation gerettet haben, in selbige wieder „verbracht“ werden, ist das für manche eine beinahe unerträgliche Situation. Für andere wiederum ist sie positiv, weil es ihrer politischen Agenda entspricht – womöglich mit dem Wermutstropfen, dass man sie nicht gleich alle nach Afghanistan abschieben kann. Gemeint sind diejenigen, die einem Gartenzwerg weniger ähnlich sehen als potenziell einem von der AfD.

Etwas komplizierter wird es bei Gewaltverbrechen. Man sollte annehmen, diese gehen generell als schlechte Nachrichten durch. Wären da nicht die strategischen Gründe, die aus einer Tötung schnell einen „Messermord“ konstruieren. Mitsamt dem billigen Kontext, dass es in „deutschen“ Haushalten keine Messer gebe. Damit erklärt sich auch, dass sich insbesondere rechte Mediennutzer/innen auf Gewaltmeldungen stürzen, um sie für ihre eigene politische Agenda auszuschlachten. Hier wird das Gewaltverbrechen instrumentalisiert und für jene Klientel zur positiven Meldung umgedeutet, um ein Feindbild zu manifestieren. Was die AfD-Aussteigerin F. Schreiber – „schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ - bestätigt. Es ist somit eine Frage der Strategie, was als gut empfunden, jedoch gleichsam als schlecht nach außen kommuniziert wird.

Die Welt ist beliebig schlecht

Aber klar kann „die Welt“ objektiv mehr: „The Global Childhood Report zeigt: Unterernährung, mangelnde Schulbildung, Kinderarbeit gehen weltweit zurück.“ Gleichzeitig hat jedoch die Gewalt gegen Kinder - Vorsicht Negativnachricht - in Krisengebieten zugenommen – und mit ihr offensichtlich die Ignoranz der Player, etwas dagegen zu unternehmen. Oder ist diese Ignoranz eigentlich eine gute Nachricht?

Dass wir „nicht alle aufnehmen“ können, ist die pseudoneutrale Dauermeldung, und eben auch keine 4000 Kinder, wie der Grüne Robert Habeck einfordert. Für die Kinder ist das eine schlechte, für empathiebefreite Zombies eine gute Nachricht.

Wie Sie sehen, ist die Welt beliebig schlecht – die Deutung der Nachrichtenlage liegt letztlich bei Ihnen.

P.S.: Frohes Neues!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare