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Ein Weihnachtsmann mit Maske - ein Bild symbolisch für eine Adventszeit, die geprägt ist von Ungewissheit und konstant hohen Infektionszahlen.
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Ein Weihnachtsmann mit Maske - ein Bild symbolisch für eine Adventszeit, die geprägt ist von Ungewissheit und konstant hohen Infektionszahlen.

Leitartikel

Warum die Corona-Maßnahmen nachgebessert werden müssen

  • Andreas Niesmann
    vonAndreas Niesmann
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Der Traum vom geselligen Fest während der Corona-Krise und ein paar unbeschwerten Tagen ohne Beschränkungen ist nicht nur ausgeträumt, er hat sich in einen Albtraum verwandelt. Der Leitartikel.

Es klang so schön einfach, was Markus Söder und die anderen Ministerpräsidenten Ende Oktober verkündeten. Restaurants und Freizeitbetriebe sollten schließen, die Bevölkerung ein paar leichte Einschränkungen hinnehmen, und dann können wir alle zusammen Weihnachten feiern.

Inzwischen wissen wir: das hat nicht funktioniert. Der Traum vom geselligen Fest und ein paar unbeschwerten Tagen ohne Corona-Beschränkungen ist nicht nur ausgeträumt, er hat sich in einen regelrechten Albtraum verwandelt. Die Adventszeit, seit Generationen eine Zeit der Vorfreude, ist eine Zeit der Angst geworden. Das Seuchen-Jahr 2020, es wird zu seinem Ende hin noch einmal richtig hässlich.

Die Verantwortung dafür tragen die 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Sie haben sich gründlich verkalkuliert. Ende Oktober, bei der Entscheidung für die Schließung von Gastronomie und Massagepraxen, haben die Länderchefs mutmaßlich geglaubt, dass sie damit die Corona-Pandemie tatsächlich eindämmen könnten. Doch spätestens seit Ende November ist klar: es reicht nicht.

Die Regierungschefs wechselten daraufhin ihre Strategie, auch wenn sie das nicht laut sagten. Irgendwie bis Weihnachten durchzuhalten, hieß der neue Plan. Danach, in der ohnehin ruhigen Phase zwischen den Jahren, könne man das Land am ehesten runterfahren, ohne große wirtschaftliche oder soziale Verwerfungen hervorzurufen. Auch dieser Plan schlug fehl. 23 679 neue Corona-Infektionen haben die Gesundheitsämter am Mittwoch an das Robert-Koch-Institut. Nie waren es mehr.

Nun ist es allzu leicht, im Nachhinein Kritik zu üben. Es ist ja das tückische an dieser Pandemie, dass niemand vorhersagen kann, wie sie sich entwickeln wird.

Wirklich ärgerlich, ja empörend aber ist, dass sich viele Regierungschefs auch jetzt noch weigern, konsequent zu handeln. Obwohl sie nicht nur das Recht, sondern die Pflicht dazu haben, Unheil von ihren Ländern abzuwenden, warten sie auf die Initiative des Bundes und die Abstimmung untereinander. Gegen ein gemeinsames Vorgehen wäre wenig zu sagen, wenn die Lage vielerorts nicht so dramatisch wäre.

Sinnbildlich für diese zaghafte Haltung steht der vermeintliche Corona-Hardliner Söder. Wenn die Ministerpräsidenten-Konferenz dies beschließe, werde auch Bayern nach Weihnachten seine Geschäfte schließen, verkündete der CSU-Chef am Dienstag im bayerischen Landtag. Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen: Ihn sagte der gleiche Mann, der keine 48 Stunden zuvor sein Kabinett zur sonntäglichen Sondersitzung zusammengetrommelt hatte, um mit viel Pathos den Katastrophenfall für das Corona-Hotspot-Land Bayern auszurufen. Den markigen Worten ließ er dann aber bestenfalls halbherzige Handlungen folgen.

Wie es anders und besser geht, hat Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer bewiesen – allerdings in höchster Not. Auch der CDU-Politiker hat in der Pandemie Fehler gemacht, die hohen Infektionszahlen im Freistaat sprechen eine deutliche Sprache. Inzwischen sind Sachsens Kliniken an der Belastungsgrenze, täglich werden Patienten ausgeflogen.

Aber Kretschmer hat seine Lehren gezogen. Er hat eingeräumt, das Virus unterschätzt zu haben. Und er hat gehandelt. Von Montag an schickt er sein Bundesland in den harten Lockdown. Schulen, Geschäfte, Kitas – alles macht dicht. Auf Vorschläge der Bundeskanzlerin oder eine Einigung der Ministerpräsidentenkonferenz hat Kretschmer nicht gewartet. Warum auch? Von einem Regierungschef darf, nein muss man erwarten, dass er in Krisenzeiten selbst die Initiative ergreift. Und zwar auf eigene Verantwortung.

Die Lage ist nicht nur in Sachsen, sondern auch in vielen anderen Bundesländern hochgefährlich. Und zwar bereits jetzt. Wer angesichts der Dramatik bis Weihnachten warten will, eher er gegensteuert, handelt nicht mehr fahrlässig. Sondern mit Vorsatz.

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