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Wie sollen die Menschen auf die Ereignisse von Halle reagieren? 

Rechter Terror in Halle

Nach Halle: Dieser Wahn von der Weltverschwörung

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Es ist angemessen, auf den antisemitischen Angriff und seine Folgen emotional und tief besorgt zu reagieren. Die Kolumne. 

Die Koordinaten in der Gesellschaft verschieben sich. Auch diejenigen, die das Gefühl dafür bestimmen, was normal ist und was nicht. Nach dem Anschlag von Halle geht die Verschiebung weiter. Und bedauerlicherweise nicht zum Besseren. Es gibt diesen berühmten Satz von Golda Meir, der legendären israelischen Politikerin. Sie sagte: „Die Juden können sich Pessimismus nicht leisten.“

Was sie damit sagt ist, dass die Anlässe für Pessimismus wohl weit zahlreicher sind als die für Optimismus. Und dass Optimismus immer eine Option bleiben muss, weil alles andere Schicksalsergebenheit wäre. Auch in schweren Zeiten bleibt die Möglichkeit, die Pflicht zu Handeln. „So ist es eben“ ist demnach kein akzeptabler Satz.

Jeder Rechtsextremist ist ein Antisemit

Viele Menschen hat die Tat von Halle erschüttert. Mir ging es so und vielen, vielen anderen auch. Sie rührte an einem Trauma. Für die jüdische Gemeinschaft, für alle, in deren Familiengeschichte jener kollektive Wahn des Antisemitismus zu unvorstellbaren Grausamkeiten geführt hatte. Deshalb ist es für die Juden in Deutschland auch so wichtig, dass die Intension, das Motiv des Täters wirklich beim Namen genannt wird.

Es war Antisemitismus. Jeder, absolut jeder Rechtsextremist ist ein Antisemit. Dieser Wahn von der Weltverschwörung der Juden, diese Idee, dass Juden finster, böse und mächtig sind, dass sie kleine Kinder schlachten, die Welt vergiften, die „Völker“ zersetzen und was weiß ich noch alles, gehört zum Betriebssystem des Rechtsextremismus. Zu jedem Rechtsextremismus.

Nach Halle - was kann man tun?

Wenn Juden mit diesem Hass konfrontiert werden, der mehr als 2000 Jahre Zeit hatte, sich ins Gedächtnis festzutackern, dann erschüttert das, es rührt an einer tiefen Angst. Es ist wie der Geruch von Feuer im Wald, das jedem Lebewesen bedeutet, sich sofort in Sicherheit zu bringen. Antisemitismus ist das Urfeuer. Wenn es eine Gesellschaft erfasst, verbrennt es alles.

Eine junge Frau war vor einigen Tagen bei mir. Ihr gingen die Ereignisse von Halle sehr nah. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die – wie sie und ich selbst – dieses Gefühl von Bodenlosigkeit hatten.

Antisemitismus als Brandgeruch in Halle

Ob wir nicht eine Supervision bräuchten, fragte uns jemand. Ich fand die Frage erstaunlich, aber für die Stimmung im Land normal. Normal, weil als unnormal angesehen wird, wenn Antisemitismus als Brandgeruch, als Urfeuer wahrgenommen wird.

Normal, weil darauf mit Tränen und Erschütterung zu reagieren, als unangemessen oder übertrieben angesehen wird. Das Gegenteil ist aber richtig, es ist angemessen und normal, auf den Angriff und seine Folgen emotional und tief besorgt zu reagieren.

Armutszeugnis für die Bundesregierung

Und was, folgt man Golda Meiers Gedanken, kann man nun tun? Wie kann man handeln? Was wäre im besten Sinne normal? Vielleicht doch nicht die Mittel gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu streichen, wie es die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gerade macht?

Ja, es ist normal und angemessen, darüber wütend und enttäuscht zu sein. Ja, es wäre normal, anstelle eines bürokratischen „So ist es eben“–Zuständigkeitsgelabers die Menschen vor Ort zu unterstützen, die handeln können und kompetent sind. Was für ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, dass das hier gesagt werden muss!

Daran erinnern zu müssen gerade jetzt, was geschieht, wenn erst alles in Flammen steht, ist nicht normal.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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