1. Startseite
  2. Meinung

Nach dem Wirecard-Skandal: Ein Reförmchen ist noch kein Kulturwandel

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Magenheim-Hörmann

Kommentare

Die Bundesregierung zieht Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal. Aber durch Teilreformen wird noch kein Kulturwandel in der Finanzaufsicht ausgelöst. Der Kommentar.

Aus Schaden wird man klug, heißt es. Im Fall des Skandalkonzerns Wirecard ist der Schaden immens, die daraus resultierende Klugheit leider begrenzt. Angestellte der Finanzaufsicht Bafin sollen nicht mehr mit den Aktien von Unternehmen zocken dürfen, auf die sie ein kritisches Auge haben – eine Selbstverständlichkeit. Wirtschaftsprüfer:innen müssen alle zehn Jahre wechseln und dürfen geprüfte Unternehmen nicht mehr gleichzeitig beraten – im Ausland ist das längst so. Und die Haftung von Wirtschaftsprüfer:innen wird verschärft – Angst haben, dass ihnen ein Skandal zum Verhängnis wird, müssen sie aber wohl nicht. Kurz: Die Bafin erhält mehr Befugnisse, aber nicht den Biss der US-Börsenaufsicht SEC.

Es geht in die richtige Richtung, könnte man sagen. Zugleich bleibt vieles Stückwerk. Vor allem aber wird durch Teilreformen noch kein Kulturwandel in der Aufsicht ausgelöst. Wie muss jemand ticken, der wie Ralf Bose als Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas mit Wirecard-Aktien gezockt hat? Er ist jetzt weg. Andere wie Bafin-Chef Felix Hufeld bleiben. Den muss sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz als dessen Chef und SPD-Kanzlerkandidat wohl noch warmhalten, um ihn im Wahlkampf 2021 notfalls öffentlichkeitswirksam feuern zu können. Das Aufsichtssystem wird leidlich repariert – mehr nicht.

Auch interessant

Kommentare