Schul-Alltag in Pandemie-Zeiten.
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Nach Corona

Die Krise hat die Jüngsten besonders belastet. Wir brauchen ein Europa für Kinder

  • vonDidier Reynders
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  • Dubravka Šuica
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Die Krise hat die Jüngsten besonders belastet. Wie kann die EU darauf reagieren? Hier sind einige der wichtigsten Ideen. Der Gastbeitrag.

Die Covid-19-Pandemie ist eine Tragödie massiven Ausmaßes. Wir hören oft, dass die Krankheit nicht diskriminiert, aber tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Ältere Menschen, Obdachlose und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind ebenso stärker gefährdet wie Frauen, da diese häufiger in Berufen mit direktem Virus-Kontakt arbeiten.

Kinder leiden besonders stark unter den Maßnahmen, die zur Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit ergriffen wurden. Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder nicht zu den stillen Opfern dieser Krise werden, und ihren Bedürfnissen, Rechten, Stimmen und Sorgen den Platz einräumen, der ihnen zusteht.

Aufgrund von Ausgangssperren gehen weltweit etwa 1,5 Milliarden Kinder nicht in die Schule. Dank neuer Technologien können viele Kinder weiterhin lernen und miteinander in Verbindung bleiben. Doch auf Kinder wirken sich Kontaktbeschränkungen deutlich stärker aus als auf Erwachsene. Zukunftsängste und eine lange Trennung von Freundinnen und Freunden sind für viele Kinder eine enorme emotionale Belastung.

Die Umstellung auf Heimunterricht und Online-Bildung hat auch deutlich gemacht, mit welchen Ungleichheiten Kinder aus benachteiligten Familien beim Zugang zu Bildung kämpfen: Eltern oder Betreuungspersonen sind nicht immer in der Lage, bei Hausaufgaben zu helfen, und oft fehlt schlicht die technische Ausrüstung oder ein Internetzugang. Da das Lernen aus der Ferne für absehbare Zeit die Regel bleiben könnte, muss unbedingt ein gleichberechtigter und freier Zugang zu qualitätsvoller digitaler Bildung geschaffen werden. Auch Bildungsprogramme im öffentlichen Fernsehen müssen verstärkt gefördert werden.

Viele Kinder haben mehr Zeit im Internet verbracht als sonst – und das oft unbeaufsichtigt. Das macht sie anfälliger für Gefahren, die online lauern. Wir müssen sicherstellen, dass Kinder solche Online-Gefahren erkennen und sich davor schützen können. Eltern und Lehrkräfte müssen beim Thema Sicherheit unterstützt werden, auch im Hinblick auf die neuen Bildungstechnologien.

Dubravka Šuica.

Für Kinder, die ohnehin in prekären sozialen Verhältnissen leben, ist der Zugang zu Unterstützung und Sozialleistungen weiter eingeschränkt worden. Ihr Armutsrisiko hat sich dagegen erhöht, denn die Einkommen ihrer Eltern sind von den wirtschaftlichen Folgen der Krise betroffen. Häusliche Gewalt ist gestiegen, worunter Kinder und Frauen am meisten leiden.

Dank der EU-Rechtsvorschriften hat jeder EU-Mitgliedstaat eine Hotline für vermisste Kinder (die 116 000) und eine Kinder-Helpline (fast überall die 116 111) eingerichtet. Gerade in diesen Zeiten müssen solche Dienste ausreichend unterstützt, finanziert und allen Kindern zugänglich gemacht werden.

Auch für die physische und psychische Gesundheit von Kindern muss mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten gesorgt werden. Viele Pflegekinder konnten ihre Familien wochenlang nicht sehen oder wurden ohne ausreichende Unterstützung nach Hause zurückgeschickt. Kinder in Jugendstrafanstalten kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen. Wir brauchen in dieser Krise ein kinderfreundliches und krisenfestes Justizsystem.

Aus allen diesen Gründen müssen unsere Krisenreaktions- und Aufbaupläne eine starke kinderrechtliche Dimension umfassen. Die Wiederherstellung unseres sozialen Gefüges und die Weichenstellung für eine bessere Zukunft für unsere Kinder und künftige Generationen ist das Herzstück des Aufbauplans der Europäischen Kommission.

Wir schlagen unter anderem vor, Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut zu unterstützen. Die Kommission wird eine europäische Kompetenz-Agenda und einen aktualisierten Aktionsplan für digitale Bildung vorlegen, der auch die digitalen Kompetenzen von Kindern einschließt. Die Kommission wird 2021 auch eine Europäische Kindergarantie vorschlagen, um sicherzustellen, dass alle Kinder Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung haben.

Didier Reynders.

Wir müssen den Kindern und Jugendlichen zuhören, um zu verstehen, was sie während dieser Pandemie wirklich durchgemacht haben. Nur so können wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um sie so gut wie möglich zu unterstützen. Die Kommission arbeitet dafür an einer neuen, umfassenden EU-Strategie für Kinderrechte, die Anfang 2021 angenommen werden soll.

Kinder sind unsere Zukunft, doch im Hier und Jetzt sind sie auch Individuen mit eigenen Rechten. Es ist unsere Pflicht, sie zu schützen.

Dubravka Šuica ist Vizepräsidentin der EU-Kommission und zuständig für Demokratie und Demografie.
Didier Reynders ist EU-Justizkommissar.

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