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Soldaten in Myanmar, das für Kinder nicht mehr sicher sei.
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Soldaten in Myanmar, das für Kinder nicht mehr sicher sei.

Gastbeitrag

Myanmar ist kein sicherer Ort für Kinder

Die Putschisten inhaftieren und töten auch Jungen und Mädchen. Das muss aufhören. Dafür müssen sich andere Regierungen einsetzen. Der Gastbeitrag von Inger Ashing (Save the Children International).

Sie waren Freunde aus Yangon und spielten draußen Karten. Ein Zehnjähriger und sein drei Jahre älterer Freund hatten einfach Spaß an diesem Wochenende, wie so viele Kinder auf der Welt. Aber diese beiden gerieten ins Kreuzfeuer von Erwachsenen, die eigentlich für Schutz statt Kugelhagel sorgen sollten.

Ihr Spiel wurde jäh unterbrochen als bewaffnete Kräfte in einem Militärlastwagen in die Straße einbogen und in die Luft schossen. Die Jungen ergriffen sich an ihren Händen und rannten los. Dem 13-Jährigen wurde in den Hinterkopf geschossen, wie Augenzeugen gegenüber Vice News berichteten. Der Zehnjährige versteckte sich vor den Soldaten und entkam. Später, bei der Beerdigung seines Freundes, musste ihn jemand hochheben, denn er war zu klein, um den Sarg zu sehen.

Es darf nicht sein, dass ein Kind mit ansehen muss, wie seinem Freund in den Kopf geschossen wird. Doch das Schicksal dieses 13-jährigen Jungen ist nur eines von 43 Kindern, die in den zwei Monaten seit Beginn des Militärputsches in Myanmar getötet wurden, wie die Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) berichtete.

Es ist erschreckend klar: Myanmar ist nicht länger ein sicherer Ort für Kinder. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Kinder nicht einmal in ihren Elternhäusern geschützt sind. Das bestätigen auch Berichte unseres Teams in Myanmar. Sie dokumentierten, dass in den letzten zehn Tagen mindestens drei kleine Kinder – sechs, elf und zwölf Jahre alt – von bewaffneten Kräften zu Hause erschossen wurden. Das Schicksal des getöteten sechsjährigen Mädchens machte weltweit Schlagzeilen.

Ich bin entsetzt, dass Kinder weiterhin zu Zielen dieser tödlichen Angriffe werden! Alle Kinder haben ein Recht darauf, frei von Gewalt aufzuwachsen. Aber in Myanmar bezahlen einige Mädchen und Jungen täglich den höchsten Preis für die Gewalt – sie werden getötet. Das ist die komplette Missachtung des menschlichen Lebens und des Völkerrechts durch die Streitkräfte Myanmars.

Save the Children und seine Partner unterstützen die verletzten Kinder und ihre Familien, wo immer es möglich ist. Unsere Beschäftigten bieten Kindern, die Zeugen von Gewalt geworden sind, emotionale Unterstützung an und überweisen Kinder mit schweren psychischen Problemen an Spezialist:innen. Wir nutzen digitale Kanäle und versuchen das Leid zu lindern, in dem wir ihnen und ihren Familien so beistehen, dass sie die schwierige Situation meistern können.

Oft gelingt dies nur aus der Ferne aufgrund der unsicheren Lage und den Corona-Beschränkungen. Insgesamt haben unter diesen schwierigen Voraussetzungen noch viel zu wenige Kinder Unterstützung erhalten – obwohl diese dringend gebraucht wird. Es kann aber gelingen und das wird auch weiterhin unsere Aufgabe sein – jetzt und in Zukunft!

So half unser Team einem zwölfjährigen Mädchen, das mit ansehen musste, wie ihre beiden Schwestern im Alter von zwei und vier Jahren bei einem Brandanschlag auf ihr Dorf im Bundesstaat Kayin ums Leben kamen.

Das Mädchen leidet unter einem schweren Trauma. Auch andere Kinder leiden unter dem Verlust von Familienmitgliedern. Die Kleinen sind oft noch zu jung, um das Grauen zu verstehen: Ein Kind, das seinen Vater verlor, glaubt bis heute, dass er „schläft“.

Was uns zudem beunruhigt, ist das weniger sichtbare Leid. Nach Angaben der AAPP sind immer noch 2608 Menschen inhaftiert, darunter 20 Kinder. Aber kein Gefängnis der Welt ist ein Ort für Kinder!

Kinder sind leider in jeder Krise die unschuldigen Opfer! Der einzige Weg, die Kinder in Myanmar zu schützen, ist die Gewalt zu stoppen. Die Sicherheit der Mädchen und Jungen muss unter allen Umständen gewährleistet werden – ohne Wenn und Aber.

Save the Children erneuert daher seinen Aufruf an die bewaffneten Kräfte, diese tödlichen Angriffe gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten sofort zu beenden. Kinder dürfen nicht länger den blutigen Preis zahlen – schon viel zu viele wurden verletzt oder getötet.

Aber unsere Appelle sind nicht genug. Wir brauchen Taten. Save the Children wird sich weiterhin mit aller Kraft für die Kinder einsetzen. Aber es liegt jetzt an den Staats- und Regierungschefs der Welt. Sie müssen das Leben und die Freiheit der Menschen in Myanmar schützen. Es dürfen nicht noch mehr Leben durch diese beklagenswerte Gewalt verloren gehen.

Für den 13-jährigen Jungen und alle anderen Opfer ist es leider schon zu spät!

Inger Ashing leitet Save the Children International als CEO. Die Schwedin engagiert sich seit 25 Jahren für Kinder.

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