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Proteste in Moskau.

Kommentar

Mutig, aber zu schwach

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Tausende stellen sich einer teils brutalen Polizei in den Weg, um für ihre demokratischen Rechte zu demonstrieren. Warum reicht das nicht?

Der Protestsamstag in Moskau hatte sehr verschiedene Gesichter. In der Stoleschnikow-Gasse drängten sich vergnügte Demonstranten um eine Eisverkäuferin, ein paar Straßen weiter half ein Einsatzpolizist einem Mädchen über einen Zaun. Aber seine Kollegen droschen vielerorts wütend mit Gummiknüppeln auf Schultern und Köpfe ein.

Es war ein blutiger und wirrer Protestsamstag. Aber eins ist sicher: Die Demonstrierenden hatten keine Angst vor der eskalierenden Polizeigewalt.

Die Staatsmacht in Moskau muss sich wieder auf eine neue Straßenopposition einstellen: spielerisch, flexibel, antiautoritär und dabei friedlich. Nach Angaben der Agentur RBK scheiterten am Samstag mehrere Provokateure, die versuchten, die Menge der Protestierenden zu Angriffen auf die Polizei zu bewegen.

Allerdings fehlt dieser Bewegung schlicht die Masse. Auch 10.000 Aktivisten, nicht einmal ein Promille der Moskauer Einwohnerschaft, sind viel zu wenig, um Wladimir Putins Regiment ernsthaft gefährden zu können.

Trotzdem stehen der Polizei im Moskauer Stadtzentrum neue nervige Räuber- und Gendarmspiele bevor. Die nächste Demonstration gegen den Ausschluss von Kandidaten bei der Wahl in Moskau ist für Samstag geplant.

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