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Jubel nach Referendum.

Leitkultur

Musterbeispiel für Integration

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Integration ist Quatsch, denn: Sich integrieren heißt sich anpassen, und Anpasser sind das Letzte, was wir in Deutschland brauchen. Die Kolumne.

Eigentlich könnte man meinen, wenn ein Thema nicht mehr diskutiert wird, hätte es sich erledigt. Das war beim Wegfall der Mützenpflicht in Schwimmbädern so, bei der Gurtpflicht und beim Rauchverbot. Jedes Mal wurde laut und vehement dafür und dagegen aufbegehrt, die Bürger disputierten, Kommentatoren schrieben kontrovers. Langsam aber wurden Lob und Hader leiser, verstummten schließlich ganz. Nun wird wallenden Haares geschwommen, gegurtet gefahren und abgeschieden gequalmt. Die drei Themen wurden trotz anfänglichem Gezeter zum allseits akzeptierten gesellschaftlichen Konsens.

Ähnlich scheint es beim Thema Integration zu werden. Sie wird nur noch von konservativen Kreisen erwähnt. Immer wenn sie nicht mehr recht weiter wissen, muss ihr angebliches Fehlen als Argument herhalten.

So wie unlängst beim Referendum in der Türkei. Wer sich als „Deutschtürke“ (schon dieser Begriff ist die Weigerung, andere zu integrieren) für mehr Macht für Erdogan entschied, galt automatisch als niederer Integrationsverweigerer. Hier im warmen Nest der Demokratie sitzen und dort den Despoten wählen. Pfui!

Dabei waren die deutschen Erdogan-Anhänger doch ein Musterbeispiel für Integration. Taten sie es doch wie die selbst ernannten Musterdeutschen von der AfD. Sich in der Oase der Meinungsfreiheit suhlen und gleichzeitig deren Trockenlegung fordern. Hornochsigkeit höchsten Grades.

Bei politisch Andersdenkenden hingegen ebbte die Debatte um Integration ab. Warum? Weil sie sich im Kreis zu drehen schien? Weil’s eh nichts bringt? Dabei ist das Thema längst nicht erschöpfend behandelt. Außer pubertärem Gekrähe nach einem Schweinefleischzwang an Schulen und kabarettistischem Gespöttel über die Frage, was deutsche Leitkultur sei, kam nicht mehr viel. Integration solle halt gelebt werden, und zwar von beiden Seiten – basta.

Das geht mir nicht weit genug. Wir müssen zu der Erkenntnis gelangen, dass Integration schlicht und einfach Quatsch ist. Sich integrieren heißt sich anpassen, und Anpasser sind das Letzte, was wir in Deutschland brauchen. Integration kann bestenfalls auf einen Konsens reduziert werden, der überall gilt, wo Menschen miteinander leben: den Mitmenschen helfen, ihnen nicht weh tun und ihnen ihre größtmögliche Freiheit lassen. Auf diese drei Punkte ließen sich alle Grundgesetze dieser Welt herunterbrechen, meinetwegen auch die Zehn Gebote.

Und da man seinen Nächsten behilflich sein soll, am Schluss noch ein kleiner Wink für erste Schritte zu gelungener Integration. Unlängst hörte ich einen dummen deutschen Wurm jammern, wegen der vielen Ausländer sei er arm und deswegen genötigt, bei Aldi Dosenravioli zu stehlen. Deswegen ein kleiner Hinweis an mittellose Neubürger: Hört nicht auf den Deppen, er verbreitet billige Lügenpropaganda. In Wahrheit ist er schlicht nicht in der Lage, sich in unser Wirtschaftssystem zu integrieren. Niemand wird in Deutschland dazu gezwungen, bei Discountern schlechtes Essen zu klauen. In vielen Kaufhäusern gibt es wunderbare Feinkostabteilungen.

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