NS-Raubkunst

Museum ohne historischen Instinkt

  • schließen

Das Deutsche Historische Museum hat sich im Streit um die Nazi-Raubkunst nicht mit Ruhm bekleckert. Als der Sohn des emigrierten jüdischen Zahnarztes Hans Sachs die wertvolle Sammlung historischer Filmplakate zurückhaben wollte, fuhr man dort die ganz harte Linie.

Das Deutsche Historische Museum hat sich im Streit um die Nazi-Raubkunst nicht mit Ruhm bekleckert. Als der Sohn des emigrierten jüdischen Zahnarztes Hans Sachs die wertvolle Sammlung historischer Filmplakate zurückhaben wollte, fuhr man dort die ganz harte Linie.

Hans Sachs habe ja schon eine Abfindung für den verschollen geglaubten Kunstschatz erhalten. Dass er dann noch gefunden wurde und das Vierzigfache dessen wert war, was vor fünfzig Jahren an Wiedergutmachung gezahlt worden war - Pech gehabt.

Die Argumentation des Museums war schon juristisch fragwürdig, ethisch war sie mies. Statt auf den Sohn des NS-Opfers zuzugehen und zumindest eine gütliche Einigung zu versuchen, kämpfte man an der Paragrafenfront. Der Bundesgerichtshof hat bei der Auslegung der Gesetze am Freitag mehr historischen Instinkt bewiesen als die Kunstsinnigen: Man könne der vom NS-Staat beraubten Familie nicht vorwerfen, dass sie mit ihren Rückgabeforderungen zu spät kommt, wenn sie zur rechten Zeit gar nichts zurückfordern konnte, weil alle die Plakatsammlung für zerstört hielten.

Das DHM hat nun nicht nur den materiellen Schaden, neben der Herausgabe der Sammlung fallen hohe Prozesskosten an. Schwerer wiegt der ethische Schaden. Die Einrichtung, die in ihrem Namen den Anspruch trägt, Deutschland zu repräsentieren, steht nun in dem Ruf, dass sie sich NS-Raubkunst unter den Nagel reißen wollte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare