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Nicht immer beinhalten gelbe Flüssigkeiten nur Limonade, wie hier in einem Bild aus dem Getränkelabor der BASF in Ludwigshafen.
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Nicht immer beinhalten gelbe Flüssigkeiten nur Limonade, wie hier in einem Bild aus dem Getränkelabor der BASF in Ludwigshafen.

Kolumne

Munter ohne Doping

  • VonKarl-Heinz Karisch
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Der intensive Dauerkonsum von Aufputschmitteln ist in unserer Gesellschaft zum Glück die Ausnahme.

Glögi oder Glühwein sind die beliebtesten legalen Dopingmittel, jetzt in der kalten Jahreszeit. Und was wäre das Skilaufen ohne den anschließenden Jagertee? Nur der halbe Spaß für mich, auch wenn die Musik auf den Après-Ski-Hütten meist scharf an meinem Geschmack vorbeizielt. Aber da komme ich durch.

Die Zeiten, in denen es sich der moderne Mensch leisten kann, angedüdelt zu sein, sind ohnehin begrenzt. Häufiger wird beim chemischen Eingriff ins Oberstübchen auf Leistungssteigerung gesetzt. Das fängt beim Kaffee oder Tee zum Frühstück an und setzt sich mit Cola und Energy-Drinks munter fort. Müde und erschöpft sein, das kommt nicht gut an in Schule, Studium und Beruf.

Wer nun aber glaubt, dass es unsere klugen Studenten besonders wild mit dem Gehirn-Doping treiben, der irrt. Leistungssteigernde Medikamente wie Ritalin oder Amphetamine werden zwar durchaus mal ausprobiert, zum Dauerkonsum kommt es aber laut mehrerer Studien eher selten. Das ist umso erfreulicher, weil fast jeder Student über die Möglichkeiten des Neuro-Enhancements informiert ist. Zur Beruhigung wird eher mal zu Alkohol, Zigaretten, pflanzlichen Mitteln wie Baldrian und sehr selten zu Beta-Blockern gegriffen. Vorzugsweise in der Phase der Vorbereitung auf Prüfungen.

Während der Arbeit selbst sind die meisten Studenten clean. Offenbar wollen sie einen klaren Kopf bewahren, ganz ohne den Pharma-Kick im Hirn. Eine Umfrage der Ruhr-Universität Bochum benennt die plausibel klingenden Gründe für die Abstinenz: Jeder zweite Student findet die Einnahme schlicht unfair und befürchtet, dass sich bei der Freigabe der Medikamente der Druck auf den Einzelnen erhöhen würde, Drogen einzunehmen.

Mehr Geld für die Erforschung leistungssteigernder Medikamente solle es nicht geben, das könne doch besser in Schule und Ausbildung investiert werden, heißt es. Am experimentierfreudigsten mit Drogen sind übrigens Architekturstudenten, gefolgt vom Journalisten-Nachwuchs und den Chemikern. Mediziner und Pharmazeuten sind zurückhaltender, das kann sich aber im stressigen Berufsalltag noch ändern.

Vor allem Chirurgen haben hohe Verantwortung bei oft elend langen Dienstzeiten. Und als Ärzte haben sie leichter Zugang zu den entsprechenden Aufputschmitteln. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat deshalb zur Vorsicht gemahnt, den Umgang mit leistungssteigernden Stoffen zu liberalisieren.

All das zeigt, dass unsere Gesellschaft  zurückhaltend auf die chemischen Schlaumacher oder Glückspillen setzt. Mal probieren, ja. Aber der intensive Dauerkonsum bleibt die Ausnahme. Die erlaubten Drogen richten ja schon genügend Unheil an. Zu viel Zucker, Bier und Wein oder Zigaretten werden verputzt.

Viele gute Vorsätze sind da für das neue Jahr wieder gefasst worden. Von mir, vielleicht auch von Ihnen. Damit das klappt, gibt’s öfter mal eine wärmende Tasse Tee. Es muss ja kein Jager sein, sondern besser einer mit Kräutern. Und auf der Skihütte verkaufen sie auch Kaffee. Der macht in Maßen nicht nur munter, der verhütet sogar Diabetes, Gicht oder Darmkrebs. Nur die Musik bleibt ein Problem. „Hey, wir woll’n die Eisbären sehn“...

Da könnt ihr in den Bergen noch so laut singen. Eishockey spielen die Bären in Berlin. Zuletzt am Dienstag in der O2 World. In echt und hoffentlich ungedopt.

Karl-Heinz Karisch ist Autor.

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