+
Erste Demo von Fridays for Future Magdeburg in Sommerferien.

Kolumne

Multikulti lebt, nicht nur in der Schule

  • schließen

Wenn Kinder schon in der Schule den Umgang mit Vielfalt lernen, kann das dem Klima nur guttun - meteorologisch und politisch.

In Hessen enden die Sommerferien am Wochenende. In Berlin war schon am Montag Schuljahresbeginn, und ich war dank dem zweitjüngsten Spross unserer Patchwork Family mit dabei.

Das Gymnasium, in das er nun geht, besuchen Schüler aus 55 Nationen, wie der „Direx“ (so nannten wir früher unsere Schuldirektoren) bei der Begrüßung als Qualitätsmerkmal launig hervorhob. Kunterbunt gemischt war auch die Elternschar in der proppevollen Aula. Stolz auf ihre coolen Kids, als die etwas linkisch und peinlich berührt nach namentlichem Aufruf unter Applaus in ihre Klassenverbände abdampften.

Multikulturell sind eben längst nicht mehr nur sogenannte Brennpunktschulen, sondern auch die meisten der weiterbildenden Stufen Berlins. Was für ein Nachwuchspotenzial für eine pluralistische Gesellschaft!

Ich dachte an einen angestaubten Merkelsatz aus dem Jahr 2010, wonach der „Ansatz für Multikulti“ gescheitert sei. An all die Lästerer, die sich über die Naivität der Multikulti-Protagonisten noch heute mokieren. Und daran, dass sich im rechtskonservativen und nationalen Spektrum wieder völkische Ideen von reinen, sprich: weißen Kulturen tummeln.

Der Wahnsinn wirkt inspirierend

Zur Ideologie verklärt, leisten sie sogar Hass und rassistischen Vorurteilen Vorschub und im Extremfall mörderischen Attentatenwie zuletzt im texanischen El Paso. Davor im neuseeländischen Christchurch. Und ja, in Deutschland reiht sich auch die NSU-Mordserie in den White-Supremacy-Terror. Ein Wahnsinn, der – wie zu befürchten ist – in dem globalen, rechtspopulistisch aufgeheizten politischen Klima weitere Attentäter inspirieren wird.

Aber, das ist zumindest ein Trost, der Multikulturalismus, der mit der Globalisierung einhergeht, ist die weit stärkere Kraft. Nicht nur, aber gerade auch in den westlichen Gesellschaften. Bleiben wir in Deutschland, wo fast jeder vierte Bewohner einen Migrantenhintergrund hat. Die Zahl binationaler Paare hat sich binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Die Republik ist längst multikulti geprägt, selbst in Kleinstädten findet man einen Döner-Imbiss, arabische Pizzabäcker oder ein chinesisches Restaurant. Beim Türken an der Ecke Gemüse zu kaufen oder möglichst exotisch essen zu gehen, ist zwar noch kein gelebtes Miteinander. Aber das Nebeneinander funktioniert.

Es braucht weltoffenes, solidarisches Denken und Handeln

Gemeinsam die Schulbank zu drücken wie im eingangs erwähnten Beispiel, ist da schon von anderer Qualität. Außer Bio, Mathe und Englisch nebenher den Umgang mit vielfältigen Kulturen zu lernen, ist ein Fitnesstraining für die Zukunft. Um den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen – dem politischen genauso wie dem meteorologischen Klimawandel –, braucht es ein weltoffenes, solidarisches Denken und Handeln. Anders wird unser Planet nicht zu retten sein.

Der Spruch auf einem Demo-Pappschild bei den „Fridays for Future“ bringt das recht pfiffig auf den Punkt: „Was haben CO2 und AfD gemeinsam? – Beide sind schlecht fürs Klima.“ Anders ausgedrückt: Das Beharren auf Monokulturen, ob in der Landwirtschaft oder in kleinkarierten, auf nationale Identitäten fixierten Leitbildern, bekommt dem Klima gleichermaßen wenig. Und erst recht nicht eine Vogel-Strauß-Politik à la Trump & Co.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare