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In der Straße Am Tegeler Hafen testet die BVG auf einer Ringlinie,  See-Meile genannt, einen selbstfahrenden Elektrobus.

Gastbeitrag

Wir müssen Städte modernisieren

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Konzepte für Smart Citys können helfen, Mobilität, Klimaschutz und Stadtentwicklung zu verbinden.

Die Globalisierung wirkt schon heute. Etwa als Treiber neuer „smarter“ Entwicklungsansätze in Städten. Energiewende und Klimaschutz, Digitalisierung oder der soziodemografische Wandel (Bevölkerungswachstum, Alterung, Individualisierung, Pluralisierung der Lebensstile) seien hier beispielhaft genannt.

Städte und Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen: Sie müssen in die Infrastruktur investieren und haben oft nicht genügend Geld, um die Trends und daraus abgeleiteter politischer Ziele umzusetzen - etwa im Bereich der Energieeffizienz, der Gestaltung der städtischen Mobilität oder der nachhaltigen und bürgerfreundlichen Quartiersentwicklung und Verwaltung.

Diese Prozesse werden unter dem Begriff „Smart Citys“ diskutiert. Diese Strategien zielen darauf ab, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, umweltfreundlicher und sozial inklusiver zu gestalten. Allerdings bestehen hier große Herausforderungen, die sich meistens im Klein-Klein verlieren und ein strategisches Gesamtkonzept vermissen lassen.

Smart City: Viele Begriffe und Ideen

Diese Herausforderungen liegen einerseits in der wachsenden Bedeutung von Städten als Wohnort für den überwiegenden Teil der Weltbevölkerung sowie andererseits in der Bewältigung globaler Phänomene wie dem Klimawandel. Eine Schwierigkeit bereitet dabei, dass bisher keine allgemeingültige Definition einer „Smart City“ existiert und es folglich viele Begriffe und Ideen gibt. Dies zeigt sich in der Anzahl der Handlungsfelder bestehender Konzepte, die zwar eine große Bandbreite aufweisen, aber selten einer Gesamtstrategie folgen.

André Grüttner

Wird die Smart City aber als das Leitbild einer künftigen Stadt verstanden, so können entsprechende Konzepte die Herausforderungen gestalten. Städtische Strukturen und Akteure sind miteinander zu vernetzen, um im Sinne einer nachhaltigen gesamtstädtischen Entwicklung geeignete Lösungen zu entwickeln und flexibel reagieren zu können.

Dabei kommt es nicht nur auf den Einsatz digitaler, intelligenter Technologien (wie Beleuchtung oder Parkplatzreservierung mittels App) an, sondern es geht auch darum, die urbanen Kompetenzen aller Akteure und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und damit die Stadtgesellschaft einzubinden.

Smart City: Es lohnt ein Blick nach Wien

Gegenwärtig widmen sich entsprechende Maßnahmen und Projekte – auch befördert durch politische Förderprogramme – vor allem den Themen Verwaltung, Mobilität sowie Energie und Umwelt. Darauf basierende Konzepte sind etwa energetische Modernisierungsschritte und Konzepte zur Entwicklung von Quartieren, neue Mobilitätsansätze, gegenwärtig vor allem basierend auf der Elektromobilität und der Stärkung des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPNV), oder E-Governance-Projekte.

Oliver Rottmann

Dass derartige Ziele erreicht werden können, zeigen internationale Projekte. Eines ist der Bereich Mobilität. Hier werden aktuell neben der Beförderung der Elektromobilität besonders zur CO2-Reduktion auch neue Konzepte zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV diskutiert, der neben den positiven Umweltwirkungen (Reduktion von Schadstoffemission und Individualverkehr) auch höherer Lebensqualität in den Städten und den sich wandelnden individuellen Mobilitätsbedürfnissen dienen soll. In Deutschland wird hier gegenwärtig vielfach diskutiert, wie dies durch Tarifgestaltungen erreicht werden kann.

Hier lohnt ein Blick nach Wien. Ein Leitziel der Smart-City-Strategie bildet eine hohe Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger bei größtmöglicher Ressourcenschonung. Leitbild ist hier die „Stadt der kurzen Wege“. Dies erfordert innovative Verkehrskonzepte inklusive einer Verlagerung des Verkehrs zum ÖPNV.

Smart City: Attraktives ÖPNV-Angebot ist zentral

Ein attraktives ÖPNV-Angebot ist zentral. Daher wurde 2012 die Jahreskarte für 365 Euro („Ein Euro je Tag“) eingeführt. Das Modell ist vielleicht nicht kostendeckend, es erzielte aber die gewünschte Wirkung. Durch den Ausbau des ÖPNV und der entsprechenden Preisgestaltung gelang es, den Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel auf nahezu 40 Prozent zu steigern, mit entsprechender ökologischer und Verkehrsflusswirkung.

Smart-City-Konzepte können einen Beitrag zur Modernisierung von Städten leisten. Um sie erfolgreich etablieren zu können, ist es wichtig, mit Maßnahmen zu beginnen, die Bürgerinnen und Bürger schnell überzeugen. Dafür sollten jene in eine Gesamtstrategie eingebettet werden. Der Bereich Mobilität ist besonders geeignet, erfordert aber eine konsequente politische Rahmensetzung.

Oliver Rottmann leitet das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Uni Leipzig. André Grüttner arbeitet und forscht auch an der Uni Leizig.

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