Kolumne

Müheloses Einkommen

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Wer über seinen Job meckert, der soll ihn verändern - oder einen Hit schreiben und von den Tantiemen leben.

Eigentlich ist es ganz einfach, mit Nichtstun Geld zu verdienen. Man schreibe ein Lied, warte, bis es oft genug im Radio gespielt wird – und schon kann man für den Rest seines Daseins die Hände in den Schoß legen. Gedanken an Lottospiel, Bankraub oder Immobilienmakeln haben sich dann mit einem Mal erledigt. Von nun an sprudeln nämlich Tantiemen, und zwar bis 70 Jahre nach dem Ableben, so will es das Urheberrechtsgesetz.

Das sonst doch eher humorfreie Finanzamt hat für diese Art der Bestreitung des Lebensunterhalt sogar einen eigenen Terminus erdacht, nämlich „müheloses Einkommen“. Ein Begriff, aus dem auch ein Häuchlein Neid herauszuhören ist.

Der aber ist überflüssig, denn seit Jahrtausenden gelingt es nur wenigen, eine Melodei und einen Text zu ersinnen, die vielen gefallen. Auf „Döner macht schöner“ muss man ja auch erst mal kommen, eine dergeartete Geisteskraft ist nicht jedem gegeben.

Gut so, sagt da der Fachmann, denn der Müßiggang ist ein schlechter Begleiter. Freizeit macht auch nicht schöner und meistens auch nicht glücklicher, das ist täglich in der Klatschpresse nachzulesen. Die Arbeit ist es, die dem Menschen Erfüllung schenkt. Schließlich verbringt er einen Großteil seines Lebens damit, sie zu verrichten. Und hat er sie verloren, ist er unglücklich und wünscht sich kaum etwas sehnlicher, als wieder eine zu bekommen.

Umso verwunderlicher, wie viele sofort lamentieren, jammern und stöhnen, sobald man sie auf ihr Tagwerk anspricht. Noch erstaunlicher: Es sind nicht die Geknechtesten, Unterbezahltesten und Geschundensten, die am lautesten klagen, sondern jene mit bequemen Berufen, stattlichen Salären und üppigen Urlauben.

Bisweilen nimmt das sogar pathologische Züge an: Nicht die fühlen sich überfordert, die sich immerzu auf der Galeere in die Riemen legen, sondern jene, die hinten am Ruder stehen und jahrelang nichts anderes zu tun haben, als es nicht allzu schief zu halten. Beispiele dafür gibt es viele. Waren Sie schon mal in einem öffentlich-rechtlichen Sender? Also dort, wo man um 14 Uhr nicht weiß, ob man noch „Mahlzeit“ oder schon „Schönen Feierabend“ wünschen soll?

Sie werden dort unter den Festangestellten kaum jemand treffen, der nicht sofort beginnt, über „den Sauladen hier“ zu schimpfen, ohne allerdings zu erwähnen, dass der ihm seit Jahrzehnten fürstlich’ Lohn und Brot gewährt und überdies astronomisch hohe Rückstellungen für sein Leben nach der Anstalt angehäuft hat.

Das Kuriose daran: Sie haben recht, doch außer lamentantem Kantinengekrähe unternehmen sie nichts, den Laden zu verändern. Wann auch? Schließlich müssen noch die vielen Überstunden abgefeiert werden. Wer soll es ihnen verübeln?

Und zur Ehrenrettung sei erwähnt: Das ist in anderen Großbetrieben nicht anders, die marxsche „entfremdete Arbeit“ begegnet einem vielerorten. Verrichtete ich doch unlängst im Pissoir eines Lokals meine Notdurft, als der Mann hinter der Schamwand an meiner Seite erzählte, er arbeite für eine große deutsche Bank und sei gerade in der New Yorker Niederlassung gewesen. Auch dort habe er wasserlassend im Men’s Room gestanden, als sein Nebenan raunzte: „Ich fürchte, wir beiden sind die Einzigen in dieser Firma, die gerade wissen, was sie tun.“

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