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Brechmitteleinsatz wird noch immer praktiziert.

Brechmitteleinsatz

Moralisch verwerflich

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Erst jetzt hat Bremen sich entschuldigt für den Tod von Laye Condé 2005 durch Brechmittel. Fragwürdige Polizeimethoden gibt es aber auch heute noch. Ein Kommentar.

Noch bevor in Bremen im Januar 2005 ein kleiner Krimineller starb, weil er zwangsweise ein Brechmittel eingeflößt bekommen hatte, war bereits in Hamburg im Dezember 2001 ein junger Mann infolge eines ähnlichen Einsatzes gestorben. Danach hatte es viele warnende Stimmen in Bremen gegeben. Sie forderten ein Ende der umstrittenen Methode, mit der Drogendealer überführt werden sollen. Sie verwiesen auf Alternativen und erinnerten an Menschenrechte. Aber der Wille des Stadtstaates war stärker, Recht und Ordnung mit Gewalt durchzusetzen. Bis ein Mensch starb.

Der konkrete Fall von Laye Condé ist juristisch längst geklärt. Aber es dauerte dreizehn Jahre, bis der Senat jetzt politisch die Verantwortung übernommen hat. Es sind nicht dieselben Politiker, die damals die Härte propagierten, sondern deren Nachfolger. Das macht eine Entschuldigung einfacher. Aber ist es überhaupt eine?

Es verwundert doch sehr, dass im Sicherheitsbereich manch eine Praxis erst infrage gestellt wird, wenn sich Dramatisches ereignet. Zu fragwürdigen Methoden greifen Polizisten und Ärzte, die ihnen gegen Honorar zur Hand gehen, so auch bei Flüchtlingen, die abgeschoben werden. Das mag rechtlich abgesichert sein, so wie es das auch in Bremen war. Doch es ist intransparent und moralisch verwerflich.

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