Kommentar

Und die Moral?

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Der Nobelpreis für Literatur für Peter Handke wirft viele Fragen auf - unter anderem die zu Handkes Verständnis für einen Kriegsverbrecher. Ein Kommentar.

Nicht zum ersten Mal wird der große Autor Peter Handke mit seiner erschreckenden Parteinahme für die serbische Seite im Jugoslawienkrieg konfrontiert, namentlich mit seinem ungeheuerlichen Verständnis für die Motive des Kriegsverbrechers Slobodan Milosevic. Eingeholt wird der Vergegenwärtigungskünstler ausgerechnet in der Stunde der wahren Ehrung seines Gesamtwerks durch den Literaturnobelpreis.

Die Kritik von Schriftstellerkollegen und Intellektuellen an dem Votum ist vehement. Unüberhörbar wütend bereits waren die Proteste 2014 in Oslo, als Handke der Ibsen-Preis zuerkannt wurde. Oder 2006, als es um den Heinrich-Heine-Preis ging, auf den Handke verzichtete.

Das Literaturnobelpreiskomitee wird sich zu erklären wissen für eine literarisch souveräne Entscheidung. Eine Ehrung aber auch, von der nicht der Eindruck entstehen sollte, sie übersehe souverän Handkes Missachtung moralischer Mindeststandards.

Von einem Literaturnobelpreisträger kann man erwarten, dass er sein Versagen nicht verdrängt. Sollte er zu dieser Ungeheuerlichkeit weiterhin unbeirrt stehen, hat nicht nur die literarische Welt ein massives Handke-Problem.

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