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Die Monster der Boko-Haram-Sekte

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Von: Johannes Dieterich

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Terror in Nigeria - Aufräumarbeiten nach einem Anschlag auf einen Bus (Archivfoto vom 22. Dezember).
Terror in Nigeria - Aufräumarbeiten nach einem Anschlag auf einen Bus (Archivfoto vom 22. Dezember). © dpa

Der jüngste Selbstmordanschlag durch ein kleines Mädchen in Nigeria zeigt: Längst hat die Wahl ihrer Mittel die Mitglieder der Boko-Haram-Sekte zu Monstern gemacht. Doch Nigerias Präsident Goodluck Jonathan schaut weg - und mit ihm die ganze Welt. Ein Kommentar.

Muss man es sich abgewöhnen, noch entsetzt zu sein? Nach der Hinrichtung französischer Karikaturisten kommt uns nun der Fall eines Mädchens zu Ohren, das im Norden Nigerias mit seinem Sprengstoffgürtel nicht nur sich selbst, sondern mindestens 20 weitere Menschen in den Tod gerissen hat. Wer hat dem Kind den Sprengsatz um den Leib gelegt? Hirngewaschene Bestien oder in den Wahnsinn getriebene, verzweifelte Seelen?

Wir wissen es alle: Kein Mensch wird als Bestie geboren. Doch keine Bestie kann sich damit herausreden, nur Opfer der Verhältnisse zu sei. Den Nordnigerianern geht es seit langem miserabel – mit sich rapide verschlechternder Tendenz. Dass sie sich dagegen wehren, ist verständlich. Doch längst hat die Wahl ihrer Mittel die Mitglieder der Boko-Haram-Sekte zu Monstern gemacht. Ob man mit ihnen noch reden kann oder sie mit Macht bekämpfen muss, ist eine berechtigte Frage.

„I am a North-Nigerian“

Doch Nigerias Präsident Goodluck Jonathan stellt sie nicht. Er spielt den blutigen Konflikt in seinem Staat nach Kräften herunter, weil er sich in fünf Wochen als Präsident wiederwählen lassen will. Und die Welt spielt mit: Ihre Vertreter versammeln sich empört in der europäischen Metropole Paris, während im afrikanischen Maiduguri weiter gemordet wird. „Je suis Charlie“ klingt gut, „I am a North-Nigerian“ dagegen nach nichts.

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