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Sophie-Kassandra isst gerne Sanddorn-Avocado-Eis am Kollwitzplatz.

Kolumne

Mohammed und das Avocado-Eis

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Was sagen Vornamen über die Zukunft aus? Dass die Kinder von Muslimen immer zu islamischen Missionaren werden müssen?

Laut der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ war Mohammed 2018 der am häufigsten vergebene Erstname für Jungs in Berlin. Diese Meldung hat kürzlich das übliche Echo gefunden. Es gab eine reißerische „Bild“-Schlagzeile und einen Facebook-Post der AfD, die das natürlich als Zeichen der drohenden Islamisierung werteten.

Ich weiß nicht, ob Sie diese Facebook-Bilder der AfD kennen. Das sind die, die immer so aussehen, als hätte meine fünfjährige Nichte mit dem Bildbearbeitungsprogramm eines Smartphones gespielt. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass meine Nichte auf Selfies lustige Comicaugen einfügt und keine rassistischen Verunglimpfungen.

Von den über 22 000 neugeborenen Jungen in Berlin wurden im vergangenen Jahr 52 Mohammed genannt. Wenn man weitere Schreibweisen wie Mohammad oder Mohamad dazu nimmt, waren es 280. Das sind 1,26 Prozent. Sie müssen dann also schon extrem gute Missionierer werden, um die anderen 40 000 Kinder des Jahrgangs zum Islam konvertieren zu lassen. In dem Fall wäre es dann vielleicht auch wirklich verdient, finde ich.

Im Zuge dessen bin ich in Kommentaren öfter auf Vorwürfe an die Eltern gestoßen. Wieso sie ihren Sohn so nennen, wenn er es mit einem solchen Namen mal schwerer haben werde, eine Wohnung zu bekommen. Wie abgestumpft muss man sein, frage ich mich, um Mohammeds Eltern für die Diskriminierung ihres Kindes verantwortlich zu machen und nicht die Wohnungsvermieter?

Stereotype Vorurteile über die Namen von Kindern sind traurig

Mit Vornamen in Berlin ist das eh so eine Sache. Es gab eine Zeit, in der Kinder in Marzahn oder Spandau von ihren Eltern ohne Abitur und Ferienwohnung auf Sylt gerne Chantal, Justin oder Kevin genannt wurden. Viele deutsche Comedystars konnten sich damals dank ihrer Witze über diese Menschen eine Ferienwohnung auf Sylt kaufen.

Irgendwann hatte sich dann herumgesprochen, dass Spott über weniger privilegierte Menschen vielleicht doch nicht der Höhepunkt deutscher Humorkunst sein müsse. Also traf es dann privilegierter wirkende Kinder.

Gibt es irgendeine lustige Geschichte aus Prenzlauer Berg, in der Vornamen keine Rolle spielen? Ich glaube nicht. Wenn man irgendwo im Bundesgebiet auf eine Bühne steigt und sagt, „Theodor-Clementius und Sophie Kassandra essen am Kollwitzplatz ein Sanddorn-Avocado-Eis“, hat man den deutschen Comedypreis schon so gut wie in der Tasche.

Hinter all der Aufregung über Mohammeds, Spott über Jacquelines oder Hohn über Wilhelmina-Charlottes steckt die Annahme, dass Kinder so werden wie ihre Eltern vermeintlich sind: Mohammeds werden alle strenggläubige Muslime, Jacquelines ungebildete Arbeitslose und Wilhelmina-Charlottes arrogante Schnösel. Ganz schön traurig, wenn Sie mich fragen.

Nun hat zeitgleich zur Mohammed-Meldung ausgerechnet ein Berliner Kevin die bundesweite Debatte über soziale Gerechtigkeit und alternative Wirtschaftssysteme angestoßen. Vielleicht ein kleines Zeichen dafür, dass Stereotype eben nicht die Realität abzeichnen. Die Stigmatisierung von Vornamen bringt uns jedenfalls keinen Schritt weiter, weder gesellschaftlich noch in Sachen Humor.

Ich hoffe, in Zukunft können Mohammed, Cindy und Karl-Ottokar zusammensitzen, ohne sich gehässige Witze von Sabine und Thomas anhören zu müssen. Meinetwegen auch bei einem Sanddorn-Avocado-Eis.

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