Fillon (r.) und Macron empfehlen sich im Gegensatz zu den anderen Studiogästen mit realitätsnahen Reformvorschlägen.
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Fillon (r.) und Macron empfehlen sich im Gegensatz zu den anderen Studiogästen mit realitätsnahen Reformvorschlägen.

TV-Duell

Mogelpackung in Frankreich

  • Axel Veiel
    vonAxel Veiel
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Es ist weniger drin beim TV-Duell der fünf wichtigsten Präsidentschaftskandidaten, als es den Anschein hat. Die Franzosen haben erschreckend wenig Auswahl. Ein Kommentar.

Eine Wohltat war das. Drei Stunden haben sich die fünf wichtigsten Präsidentschaftskandidaten im französischen Fernsehen eine inhaltsreiche, mit witzigen Pointen garnierte Debatte geliefert. Aber bei näherem Hinsehen zeigt sich: Das so hübsch präsentierte Sortiment stellt eine Mogelpackung dar. Es ist weniger drin, als es den Anschein hat.

Drei der fünf Studiogäste – der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, der Sozialist Benoît Hamon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen – empfehlen abenteuerliche Sonderwege: die Rente mit 60, ein vom Staat zu gewährendes Grundeinkommen oder den Ausstieg aus dem Euro. Der Konservative François Fillon wartet zwar mit deutlich realitätsnäheren Reformvorschlägen auf, steckt aber tief im Skandalsumpf.

Einem Wähler, der Extremen abhold ist und das höchste Amt nicht jemandem anvertrauen will, der Staatsvermögen veruntreut haben soll, bleibt noch Emmanuel Macron. Er hat sich auch im Fernsehstudio gut geschlagen. Der ansteckende Optimismus des Mannes, der Frankreich jenseits der ausgetretenen Pfade in die Moderne führen will, und sein rückhaltloses Bekenntnis zu Europa sind Balsam auf die durch Brexit und Trump geschlagenen Wunden. Doch das ändert nichts daran: Die Franzosen haben erschreckend wenig Auswahl.

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